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	<title>Globalisierungsblog</title>
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	<description>Globalisierung im Fokus</description>
	<pubDate>Sat, 25 Jun 2011 06:51:42 +0000</pubDate>
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		<title>Fernsehtipp: Rebiya Kadeers Kampf für die Uiguren</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 06:20:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1989 wurden auf dem Tiananmen-Platz in Peking laut Menschenrechtsorganisationen über 3.000 friedlich demonstrierende Menschen  erschossen, von Panzern überrollt oder hingerichtet. Im Fokus der Medien steht in letzter Zeit mehr die wirtschaftliche Macht Chinas, als die Situation der Menschenrechte.
Zum 20. Jahrestag des brutalen Massakers zeigt ARTE am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1989 wurden auf dem Tiananmen-Platz in Peking laut Menschenrechtsorganisationen über 3.000 friedlich demonstrierende Menschen  erschossen, von Panzern überrollt oder hingerichtet. Im Fokus der Medien steht in letzter Zeit mehr die wirtschaftliche Macht Chinas, als die Situation der Menschenrechte.<br />
Zum 20. Jahrestag des brutalen Massakers zeigt ARTE am 2. Juni einen Themenabend über &#8220;Menschenrechte in China&#8221;.</p>
<p>Gestern hatte ich die Gelegenheit den Dokumentarfilm &#8220;Chinas Staatsfeindin Nr. 1 – Rebiya Kadeers Kampf für die Uiguren&#8221; von Sylvia Nagel vor der Ausstrahlung anzuschauen.</p>
<p>Der Film ist sehr stark auf Rebiya Kadeer und deren Familie ausgerichtet, wobei daran auch das Leiden der restlichen Uiguren deutlich wird.</p>
<p>Ich empfehle jedem, der die Zeit hat, sich die Sendung anzusehen.</p>
<p><strong>Dienstag, 2. Juni 2009 um 00.10 Uhr</strong></p>
<p>Wiederholungen:<br />
04.06.2009 um 10:50<br />
16.06.2009 um 05:00</p>
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		<title>Anmerkungen und Literatur</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 08:37:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (Hier geht es zum Beginn des Textes.)
Anmerkungen
[1] Hirst / Thompson nennen die vollständig globalisierte Welt einen „idealisierten Zustand“, den sie als Referenzmaßstab setzen (1996, 10), während Beck für diesen idealisierten Zustand eines abgeschlossenen Globalisierungsprozesses den Begriff „Globalität“ verwendet (1997, 29).
[2] Der Begriff „modernes Weltsystem“ verweist auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (<a href="http://www.globalisierungsblog.de/155/globalisierung-versuch-einer-annaherung/">Hier geht es zum Beginn des Textes.</a>)</p>
<p>Anmerkungen<br />
[1] Hirst / Thompson nennen die vollständig globalisierte Welt einen „idealisierten Zustand“, den sie als Referenzmaßstab setzen (1996, 10), während Beck für diesen idealisierten Zustand eines abgeschlossenen Globalisierungsprozesses den Begriff „Globalität“ verwendet (1997, 29).<br />
[2] Der Begriff „modernes Weltsystem“ verweist auf die Theorie Immanuel Wallersteins, der es sich zum Ziel gesetzt hat, ausgehend vom 16. Jahrhundert in einer „Weltsystemanalyse“ eine historische Erklärung der neuzeitlichen Globalisierungsentwicklung zu leisten.<br />
[3] Bairoch weist darauf hin, dass der Exportanteil vom gesamten Bruttoinlandsprodukt der USA um 1890 so hoch lag wie erst wieder in den 1990er Jahren, nämlich 6,7 % (1890) und 7,5 % (1992), während er in der Zwischenzeit bei etwa 3-5 % lag (1996, 179).<br />
[4] Ich meine damit den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg.<br />
[5] Ralf Dahrendorf schrieb damals in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“, dass mit Neil Armstrongs Schritt auf den Mond am 20.7.1969 die Einheit der Welt aus der neu gewonnenen kosmischen Perspektive erstmals als universelles Prinzip unmittelbar erfahrbar wurde und diese Erfahrung ein Bewusstsein prägte, das die Globalisierung hervorrief (vgl. Köpf 1998, 11). Dies wird gestützt von der planetaristischen Auffassung der Globalisierung, wie sie sich bei Zarifian zeigt, der auf die Einheit der Welt und damit den Gedanken des hen kai pan („ein und alles“) in der griechischen Philosophie (Heraklit: „Aus allem eins und aus Einem alles.“, zit. nach Diels / Kranz 1952, 10 [Fragment 12 B]) verweist: „Die Globalisierung [...] entspricht jenem Satellitenblick auf den Globus, den die Bosse der Großunternehmen begründet haben. [...] Von oben gesehen, erscheint die Erde als eine: Nationen, Staaten, Grenzen, Regelungen, Volkscharakter, Rassen, politische Regimes, alles verfließt ineinander, ohne doch zu verschwinden. [...] Der große Traum vom All-Einen, der die platonische Philosophie umgetrieben hat, ist endlich verwirklicht. Das All-Eine ist das Hoheitsgebiet des zeitgenössischen Kapitalismus.“ (1999, 3).<br />
[6] Die völkerrechtlichen Konsequenzen dieses Paradigmenwechsels sind immens und können hier nur für den Problembereich der „humanitären Interventionen“ kurz angedeutet werden: Betrachtet man das Individuum – „entgegen früherer Auffassung“ (Doehring 2004, 448) - als Völkerrechtssubjekt, dann kann ihm Beistand in Notwehrlagen gemäß Art. 51 der UN-Charta, der das „naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung“ gegen Art. 2, 4 (Gewaltverbot) schützt, nicht verwehrt werden, wenn es sie verlangt, was Interventionen im Fall von Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des geltenden Völkerrechts möglich macht; auch Art. 2, 7 (Nichteinmischung) böte dem Menschenrechtsverletzer keinen Schutz mehr, da die Intervention unter die Ausnahme-Klausel des Art. 2, 7 fiel: „ [...] die Anwendung von Zwangsmaßnahmen nach Kapitel VII wird durch diesen Grundsatz nicht berührt.“. Fraglich ist, ob diese Vorstellung nicht zu weit geht, denn dann könnten etwa reiche Privatpersonen mit Staaten völkerrechtliche Verträge abschließen (von Völkerrechtssubjekt zu Völkerrechtssubjekt), um sich so die Hilfe der Armee des Landes zu sichern, die sie im Falle einer Entführung o. ä. befreien müsste. Die mittelalterliche Personalsouveränität wäre damit wieder eingesetzt. Es zeigt sich, dass die unmittelbare Völkerrechtssubjektivität (und nur um die geht es hier) problematische Konsequenzen hat.<br />
[7] Ein Phänomen, das Ulrich Beck mit dem Begriff „Containertheorie“ beschreibt (1997, 49).<br />
[8] Leopold Mozart musste mit seinem Sohn Wolfgang Amadeus auf lange, beschwerliche Reisen gehen, um dessen musikalisches Genie in Europa bekannt zu machen. Die Väter heutiger Nachwuchsmusiker verschicken eine MP3-Datei als E-Mail-Anhang an die einschlägigen Unternehmen der Branche.<br />
[9] Der Begriff „global village“ stammt Herbert Marshall McLuhan, der – zusammen mit dem US-amerikanischen Experten für „Probleme des Kommunismus“ an der Universität Columbia, Zbigniew Brzezinski - auch den Begriff „globalization“ prägte (vgl. Ziegler 2003, 29).<br />
[10] Die 1998 in Frankreich gegründete Association pour une taxation des transactions financières pour l’aide aux citoyens („Attac“) ist ein Netzwerk globalisierungskritischer Gruppen, das ursprünglich das Ziel verfolgte, eine Devisentransaktionssteuer zur Stabilisierung der Finanzmärkte und zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten zu fordern, mittlerweile aber darüber hinaus mit etwa 100.000 Mitgliedern in rund 50 Ländern über Zusammenhänge und Folgen der Globalisierung aufklärt.<br />
[11] Das TINA-Argument („There is no alternative.“) von Margret Thatcher wurde zu Beginn der 1980er Jahre zum Grundsatz der neoliberalen Neuausrichtung der Volkswirtschaft in Großbritannien, den USA (unter Präsident Ronald Reagan) und auch im Deutschland der „Wende“ (Helmut Kohl).<br />
[12] Dabei darf der Markt den Menschen kein Diktat aufzwingen, bei dem „mit erhöhtem Druck alles infrage [gestellt wird], was in den Preis einfließt: Löhne, Sicherheitsstandards, Umweltauflagen, Sozialleistungen“ (Kubjeweit 2004, 60 f.), sondern muss ihnen dienen.<br />
[13] Gil verwendet diesen Begriff in Anlehnung an Helmut Willke, der den Supervisionsstaat als distanzierten, sich selbst beschränkenden, bescheidenen, „ironischen“ Staat auffasst.<br />
[14] So die zugespitzte Diagnose Roman Stögers für den „neoliberalen Staat“, dessen Sinn noch einzig darin besteht, den „Staatsanteil [...] zurückzubauen“, und zwar „durch Privatisierung, durch Fremdbezug staatlicher Leistungen und [...] durch Rückzug des Staates auf zu definierende Kernaufgaben.“ (1997, 209).<br />
[15] Der Außenhandel der Industrienationen findet im wesentlichen (zu etwa 80 %) innerhalb der Gruppe der größten Wirtschaftsräume der Nordhalbkugel statt (USA-EU-Japan). Eine Beteiligung der Entwicklungsländer – abgesehen von Rohstofflieferungen und Billigproduktion – ist (noch) nicht zu verzeichnen. Beck schließt daraus im übrigen, dass wir es wirtschaftlich (noch) mit Internationalisierung, nicht mit Globalisierung zu tun haben (1997, 200).<br />
[16] In diesem Zusammenhang sei auf die bekannte Globalisierungsgegnerin Naomi Klein verwiesen, die mit ihrem Buch No Logo! auf die Zusammenhänge zwischen billiger Produktion in der Dritten Welt und teurer Vermarktung in der Ersten Welt verweist und die eindrücklich die strukturelle Unfairness des „freien“ Handels herausstellt.</p>
<p>Literatur<br />
Bairoch, P.<br />
Globalization Myths and Reality: One Century of External Trade and Foreign Investment. In: Boyer, R. / Drache, D. (Hrsg.): States Against Markets. The Limits of Globalization. London / New York 1996, S. 173 ff.<br />
Barber, B.<br />
Dschihad versus McWorld. Globalisierung, Zivilgesellschaft und die Grenzen des Marktes. In: Lettre international, Jg. 9 (1997), Nr. 36, Berlin, S. 4 ff.<br />
Beck, U.<br />
Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus, Antworten auf Globalisierung. Frankfurt a. M. 2. Aufl.1997.<br />
Einleitung. In: Ders.: Politik der Globalisierung. Frankfurt a. M. 1998.<br />
Zitat zur Globalisierung. Im Internet: http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/SS99/global/ zitate.html (abgerufen am 02.02.2006).<br />
Boxberger, G. / Klimenta, H.<br />
Die zehn Globalisierungslügen. Alternativen zur Allmacht des Marktes. München 1998.<br />
Chomsky, N.<br />
Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung. Lüneburg 1993.<br />
Diels, H. / Kranz, W.<br />
(Hrsg.) Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch. 3 Bde., Zürich 1952.<br />
Doehring, K.<br />
Völkerrecht. Heidelberg 2. Aufl. 2004.<br />
Dörrenbacher, C.<br />
Vom Hoflieferanten zum Global Player. Unternehmensstrategien und nationale Politik in der Welttelekommunikationsindustrie. Berlin 1999.<br />
Giddens, A.<br />
Entfesselte Welt. Wie die Globalisierung unser Leben verändert. Frankfurt a. M. 2001.<br />
Gil, T.<br />
Staatsaufgaben. Zur Legitimation politischer Herrschaft. Berlin 2003.<br />
Habermas, J.<br />
Die postnationale Konstellation. Politische Essays. Frankfurt a. M. 1998.<br />
Hirst, P. / Thompson, G.<br />
Globalization in Question. Cambridge 1996.<br />
Hübner, K. / Petschow, U.<br />
Spiel mit Grenzen. Ökonomische Globalisierung und soziale Kohäsion. Berlin 2001.<br />
Klein, N.<br />
No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht. Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. Pößneck 2001.<br />
Kleinschmidt, H.<br />
Geschichte der internationalen Beziehungen. Ein systemgeschichtlicher Abriß. Stuttgart 1998.<br />
Köpf, P.<br />
Stichwort Globalisierung. München 1998.<br />
Kubjeweit, D.<br />
Unser effizientes Leben. Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen. Hamburg 2004.<br />
Mander, J.<br />
Technologien der Globalisierung. In: Ders. / Goldsmith, E. (Hrsg.): Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. München 2002, S. 73 ff.<br />
Marx, K.<br />
Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Bd. 1 („Der Produktionsprozeß des Kapitals“), Frankfurt a. M. / Berlin 1969.<br />
Osterhammel, J. / Petersson, N. P.<br />
Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen. München 2003.<br />
Safranski, R.<br />
Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch? München / Wien 2003.<br />
Saxer, U. W.<br />
Die Zukunft des Nationalstaates. Basel 1994.<br />
Sloterdijk, P.<br />
Der starke Grund zusammen zu sein. Frankfurt a. M. 2. Aufl.1998.<br />
Im Weltinnenraum des Kapitals. Frankfurt a. M. 2005.<br />
Stöger, R.<br />
Der neoliberale Staat. Entwicklung einer zukunftsfähigen Staatstheorie. Wiesbaden 1997.<br />
Veltz, P.<br />
Mondialisation, villes et territoires: L’économie d’archipel. Paris 1996.<br />
Weizsäcker, C. C. v.<br />
Logik der Globalisierung. Göttingen 1999.<br />
Zarifian, P.<br />
L’Émergence d’un Peuple-Monde. Paris 1999.<br />
Ziegler, J.<br />
Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher. München 3. Aufl. 2003.<br />
Ziegler, K.-H.<br />
Völkerrechtsgeschichte. München 1994.<br />
Žižek, S.<br />
Ein Plädoyer für die Intoleranz. Wien 1998.</p>
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		<title>Kennzeichen der Globalisierung</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 08:36:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (Hier geht es zum Beginn des Textes.)
Eine allgemeine Einführung in die Auswirkungen der Globalisierung „auf unser Leben“ hört sich bei Giddens so an: „Die Globalisierung strukturiert unsere Lebensweise in einem außerordentlichen Umfang neu.“ (2001, 14). Wir sind dabei in einer Ordnung gefangen, „die niemand vollständig überblickt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (<a href="http://www.globalisierungsblog.de/155/globalisierung-versuch-einer-annaherung/">Hier geht es zum Beginn des Textes.</a>)</p>
<p>Eine allgemeine Einführung in die Auswirkungen der Globalisierung „auf unser Leben“ hört sich bei Giddens so an: „Die Globalisierung strukturiert unsere Lebensweise in einem außerordentlichen Umfang neu.“ (2001, 14). Wir sind dabei in einer Ordnung gefangen, „die niemand vollständig überblickt, die aber spürbare Auswirkungen auf jeden von uns hat“ (2001, 17). Er verweist darauf, „daß die Globalisierung, so wie wir sie erleben, in vielerlei Hinsicht nicht nur neu, sondern auch revolutionär ist“ (2001, 21), d. h., es „entsteht etwas, das es niemals zuvor gegeben hat: eine globale kosmopolitische Gesellschaft.“ (2001, 31). Ulrich Beck wird etwas konkreter: „Man kann Globalisierung leugnen, bekämpfen oder bejubeln, jenseits aller Bewertungen geht es um diese starke Theorie: Ein territorial fixiertes Epochenbild des Sozialen, welches die politische, soziale und wissenschaftliche Imagination im Großen wie im Kleinen zwei Jahrhunderte lang in Bann geschlagen und beflügelt hat, löst sich auf. Dem globalen Kapitalismus entspricht ein Prozeß kultureller und politischer Globalisierung, der das Ordnungsprinzip territorialer Vergesellschaftung und des kulturellen Wissens, auf denen die vertrauten Selbst- und Weltbilder beruhen, aus den Fugen geraten läßt. Globalisierung so verstanden und entschlüsselt, meint nicht nur (wirtschaftliche) Internationalisierung, Verdichtung oder transnationale Verflechtungen und Netzwerke. Sie eröffnet viel weitgehender ein sozialräumliches, sozusagen ,dreidimensionales’ Gesellschaftsbild, das nicht lokal, nicht national und nicht territorial fixiert ist.“ (Beck 1998, 17 f.). Das Phänomen Globalisierung wird zunächst und v. a. spürbar in der Ökologiedebatte, der Migration sowie im Bereich der Medien, der Informationsverarbeitung und des Datenaustauschs und umfasst die politische, die ökonomische und die kulturelle Ebene.<br />
Politisch scheint das auf dem Spiel zu stehen, was eigentlich gestärkt werden soll: die Demokratie. „Wo die Weltwirtschaft Maßstäbe setzt, da ist der Politik die Macht zum Handeln genommen.“ resümiert Köpf den „Demokratieverlust“ (Köpf 1998, 62). Für Ulrich Beck ist der Globalismus, gerade weil er die Politik der Ökonomie unterstellt, hochpolitisch und nicht etwa apolitisch, obwohl so getan wird, als gestalte man nicht, sondern als vollziehe man nur die ewigen Gesetze des Weltmarkts nach und müsse bei diesem Vollzug sozialstaatliche und demokratische Errungenschaften aufgeben, um zumindest das republikanische Gerippe zu retten. Globalisierung ist nach Beck aber kein Schicksal, das zwingend „automatische“ Exekution verlangt, sondern Ergebnis eines politischen Projekts das unter der neoliberalen Ideologie des Globalismus entfaltet wird (vgl. Beck 1997, 203 ff.). Im Gegensatz dazu sieht Sloterdijk die Zukunft des Staates und der nationalstaatlichen Politik eher skeptisch, was er eben gerade mit dem Primat der „globalen Ökonomie“ vor dem „völkischen Zusammenhalt“ erklärt: „Es spricht sich herum, daß der genealogische Nationalvertrag, das generationengestützte Kontinuum des zeugenden, gebärenden, sprechenden, arbeitenden Volkes, nur noch eine Fiktion ist. Immer mehr Menschen spüren und verstehen, gewiß mehr instinktiv als mit klaren Argumenten, daß die großen Komplexe, die sich noch immer als Völker vorstellen, längst von der Orientierung an der Kinderzukunft verabschiedet und auf Renditezukunft umgestellt haben, und dies aus dem evidenten, wenn auch noch nie genug begriffenen Grund, daß das stille, nachhaltige biologische und symbolische Investieren der Menschen in ihre Liebes- und Sprechverhältnisse bei weitem überflügelt und ausgehöhlt worden ist von den hektischen Investitionsprozessen der Kapitale, die ihrerseits über die Weltbörsen von einer spekulativen Geisterwirtschaft angetrieben sind.“ (1998, 49). Der Kern dieser etwas eigenartigen, in ihrer Referenz auf Reproduktions- und Investitionsverhältnisse auch leicht missverständlichen Sicht, die aber auch wieder auf die Unwirklichkeit der Weltwirtschaft zu sprechen kommt, ist ein wahrer: Wo nur noch auf Rendite geschaut wird, auf den Profit - egal wo, egal wie -, dort hat kein Nationalstaat eine Überlebenschance.<br />
Für einige Autoren gilt es in diesem Kontext, durch Reformen die Handlungsfähigkeit von (nationalstaatlicher) Politik wiederzuerlangen. Slavoj Žižek etwa tritt für eine Politisierung der Ökonomie ein, die Maßnahmen zur Limitierung der Freiheit des Kapitals und zur Unterordnung des Produktionsprozesses unter eine soziale Kontrolle ergreift (vgl. 2003). Hübner / Petschow sehen hierbei nach wie vor den Nationalstaat in der Pflicht: „Der Nationalstaat und damit die Akteure nationaler Politik haben keineswegs abgedankt. Im Gegenteil: In einem neuen weltwirtschaftlichen Rahmen kommt ihnen die Aufgabe zu, den Globalisierungsprozess zu steuern und für einen dynamischen Ausgleich der Interessen von Verlierern und Gewinnern zu sorgen.“ (2001, 161). Auch Thomas Gil ist der Ansicht, dass die Globalisierung den Nationalstaat nicht überflüssig macht, sondern nur depotenziert, d. h. seine Aufgabe wandelt sich von der stets und überall intervenierenden Subordination zur distanzierten, eingeschränkten Koordination (2003, 49 ff.). In diesem Zusammenhang ist einerseits zu fragen, ob der „Supervisionsstaat“ (Gil 2003, 54)[13] nicht schon das Potential zur Selbstaufhebung in sich trägt, also ob koordinatives „komplexes Regieren“ (Gil 2003, 50) überhaupt möglich ist, wenn es darum geht, einen „Interessenausgleich“ herbeizuführen oder ob der Staat im globalisierten Zeitalter die „Staatsaufgabe“ nicht als höchste Aufgabe des Staates begreifen muss.[14] Andererseits ist zu fragen, ob nicht auch die vermehrten und vertieften Regelungen auf globaler Ebene tatsächlich geeignet sind, den Nationalstaat langfristig überflüssig werden zu lassen. Wenn dies aber stimmen sollte, es also zukünftig allein auf diese globalen „Regime“ ankommen wird, dann wäre es wichtiger, hier zu reformieren, als um die Befugnisse des Nationalstaats zu kämpfen, denn das erscheint mir so wie der auf innerstaatlicher Ebene gescheiterte Versuch des europäischen Adels, gegen das aufkommende Bürgertum alte Privilegien zu sichern, statt sich frühzeitig mit der aufstrebenden neuen Kraft zu arrangieren.<br />
Konkret stellt sich also die entscheidende Frage, ob der Depotenzierung auf der Ebene des Nationalstaats nicht der umgekehrte Prozess auf globaler Ebene bewusst entgegengesetzt werden sollte, an dessen Ende die Aufwertung der Vereinten Nationen und ihrer Organisationen steht. Wenn der Nationalstaat (oder besser: das, was von ihm übrig bleibt) von Macht auf Bescheidenheit, von Absolutheit auf Ironie, von Subordination auf Koordination umschaltet, braucht es dann nicht eine „Weltzentralmacht“, die umgekehrt ihre bescheidene bis zurückhaltende, selbstironische und ausschließlich koordinative Rolle aufgibt und ein Regime der Subordination initialisiert, das für die zentralen Staatsfunktionen, die ehedem der Nationalstaat besorgte - Sicherheit und Wohlfahrt - Institutionen und Mechanismen bereitstellt, die den souveränen Staat ergänzen und - auf lange Sicht - ersetzen können? Muss nicht die Rolle der Vereinten Nationen und ihrer Organisationen künftig eine große sein, weil den Nationalstaaten nur noch eine kleine zukommen wird? Wer noch etwas für das eigene Volk tun möchte, muss Weltpolitik betreiben und das Völkerrecht als Basis dieser Politik in den Mittelpunkt von Reformen stellen: „In einer prinzipiell offenen Weltwirtschaft kommt nationalen Akteuren die Rolle zu, transnationale politische Strategien zu entwickeln und lokale, regionale sowie nationale Interessen in der internationalen politischen Arena zu bündeln und durchsetzungsfähig zu machen.“ (Hübner / Petschow 2001, 161). Das scheint der Anspruch zu sein, unterhalb dessen Politik im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr möglich ist.<br />
Für Boxberger / Klimenta lässt sich die Globalisierung kurz auf den Nenner bringen: „Ein Planet unterwirft sich wirtschaftlichen Zwängen.“ (1998, 9). In der Tat überlagert die wirtschaftliche Dimension der Globalisierung alles. Dazu zählen die drastische Erhöhung des Austauschs von Waren und Dienstleistungen (v. a. zwischen den Industrienationen[15]), die globale Mobilität des Kapitals, das „Outsourcing“ der Produktion von der „Ersten Welt“ in die „Dritte Welt“ als Folge des Abbaus von Handelsbarrieren und der Aufbau der Kapitalmobilität (vgl. Boxberger / Klimenta 1998, 15). Die Antagonismen der Globalisierung treten im Kontext der Weltwirtschaft drastisch zu Tage, wie das Bild von der „Ökonomie des Archipels“ (Veltz 1996) ausdrückt, das Ziegler vor Augen hat, wenn er feststellt: „Die Realität der globalisierten Welt besteht in einer Kette von Inseln des Wohlstands und des Reichtums, die aus einem Meer des Völkerelends herausragen.“ (2003, 31).[16]<br />
Doch auch kulturell sind die Paradoxien der Globalisierung besonders deutlich zu spüren. Globalisierung, so Ulrich Beck, laufe gerade nicht auf „kulturelle Konvergenz als unmittelbare Folge ökonomischer Vereinheitlichung“ (Beck 1997, 206) hinaus. Die Völker wehren sich gegen die Uniformität einer homogenen Weltkultur („McDonaldisierung“) und es setzt eine gewaltsame Gegenbewegung ein, bei der deutlich wird, „daß unsere Welt und unser Leben zwischen antagonistischen Kräften gefangen sind: zwischen Retribalisierung und globaler Integration. In ein und demselben Moment kehren wir zurück in eine konfliktbeladene Vergangenheit und schreiten aus in eine zukünftige Weltkultur“ (Barber 1997, 4). Eine besondere Rolle bei der Ausprägung einer Weltkultur spielen die Medien. Insbesondere das Fernsehen ist dabei zentraler Kristallisationspunkt medialer Globalität. Der kanadischen Medientheoretiker Marshall McLuhan hatte noch die optimistische Vorstellung, „dass die Allgegenwart und Unbestechlichkeit der Fernsehbilder bewaffnete Auseinandersetzungen erschweren und die noch nicht industrialisierten Länder dem Fortschritt entgegenführen werden.“ (Ziegler 2003, 29). Doch die Tatsache, dass „75% der Weltbevölkerung jeden Tag Fernsehprogramme empfangen“ und „Menschen in abgelegenen Teilen von Borneo, irgendwo im Himalaja und in der fernen Tundra Sibiriens [..] die gleichen Sendungen [sehen], meist von westlichen Firmen produziert, die allesamt westliche Werte und westliche Vorstellungen verbreiten“ (Mander 2002, 81), führt nicht zur Konformität „geklonter Kulturen“ (ebd.), sondern zu tiefgreifenden Irritationen, die sich in Phänomenen wie der Retribalisierung, aber auch in anti-globalistischen Aggressionen wie dem Terrorismus Platz schaffen. Doch auch im Westen hat die Omnipräsenz des Fernsehens Folgen: „Wenn das Bild Nelson Mandelas uns unter Umständen vertrauter ist als das Gesicht unseres unmittelbaren Nachbarn, dann hat sich etwas im Wesen unserer alltäglichen Erfahrung verändert.“ (Giddens 2001, 23). Veränderte Sehgewohnheiten und Wahrnehmungsmuster führen zu veränderten Deutungen des Lebens und zu Modifikationen der Weltanschauung. In welche Richtung diese Veränderung die Menschen führt, hängt zum einen von ihrer Rezeptionskompetenz ab, zum anderen aber auch davon, ob und wieweit die Medien der neuen Dimension ihrer Verantwortung für den vordergründigen und subtilen Inhalt ihrer Botschaften gerecht werden.</p>
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		<title>Globalisierung zwischen Globalismus und Planetarismus</title>
		<link>http://www.globalisierungsblog.de/162/globalisierung-zwischen-globalismus-und-planetarismus/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 08:35:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.globalisierungsblog.de/?p=162</guid>
		<description><![CDATA[Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (Hier geht es zum Beginn des Textes.)
Entscheidend ist also die Analyse der Ideologie jener ordnenden Globalisierungsregeln, die zunächst – scheinbar wie selbstverständlich - als Globalismus in Erscheinung tritt. Rüdiger Safranski nennt drei normative Manifestationen des Globalismus: 1. ökonomischer Neoliberalismus, der mit der „sozialen Entpflichtung des Kapitals“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (<a href="http://www.globalisierungsblog.de/155/globalisierung-versuch-einer-annaherung/">Hier geht es zum Beginn des Textes.</a>)</p>
<p>Entscheidend ist also die Analyse der Ideologie jener ordnenden Globalisierungsregeln, die zunächst – scheinbar wie selbstverständlich - als Globalismus in Erscheinung tritt. Rüdiger Safranski nennt drei normative Manifestationen des Globalismus: 1. ökonomischer Neoliberalismus, der mit der „sozialen Entpflichtung des Kapitals“ auf dem Weg sei, eine „Wiederauferstehung des Marxismus als Management-Ideologie“ einzuleiten (Safranski 2003, 21 f.), 2. Anti-Nationalismus der multinationalen Konzerne und überstaatlichen Organisationen, wobei er darauf verweist, dass „Weltläufigkeit“ nicht dadurch erreicht wird, dass man auf allen Märkten präsent ist, sondern nur als Ergebnis einer Verwandlung durch „den Reichtum von Welterfahrung“ (2003, 25) und 3. die Besinnung auf die naturlichen Gegebenheiten, denen wir ausgesetzt sind, auf eine „arme Erde, die wir dabei sind zu zerstören und die wir retten müssen.“ (ebd.). Angesichts dieses unbedingten Auftrags erlebe das „Wir“ der Menschheit „seine Auferstehung“ (ebd.). Ulrich Beck betont dagegen die Gefahr der Eingleisigkeit, der rein wirtschaftlichen Orientierung: „Globalismus reduziert die neue Komplexität von Globalität und Globalisierung auf eine – die wirtschaftliche – Dimension, die auch noch linear gedacht wird als ständige Ausdehnung der Abhängigkeiten vom Weltmarkt.“ (1997, 196 f.).<br />
Die Selbstrechtfertigung des Globalismus’ geschieht durch Verweis auf das Phänomen Globalisierung, das scheinbar keine andere Alternative zulässt als den stummen Vollzug der Gesetze des (Welt-)Markts. Eine Ideologie wie der Liberalismus, die von sich behauptet, schicksalhaften, „natürlichen“ Charakter zu haben, fordert eine Gegenideologie heraus. Die Gegenposition zum Liberalismus wurde einst von Marx und Engels eingenommen, dann von der katholischen Soziallehre auf der Basis idealistischer Ökonomiekritik für die bürgerliche Mitte salonfähig gemacht und heute durch Gruppen wie „Attac“[10] selbst integraler Bestandteil der Globalisierung, denn die Planung und Durchführung von Kampagnen und Aktionen auf allen fünf Kontinenten erfordert eine weltweite Vernetzung. Die Kritik richtet sich gegen die Selbstverständlichkeit des Globalismus, wie sie sich im „TINA-Prinzip“[11] manifestiert. Die Kritiker stellen Fragen grundsätzlicher Art, etwa nach der Würde und den Lebensbedingungen des Arbeiters sowie den Auswirkungen der anstrengenden und stupiden Tätigkeit auf seine physische und psychische Konstitution (Marx / Engels), nach dem Verhältnis von Wirtschaft und menschlichem Miteinander (katholische Soziallehre) oder nach der Tragweite der vom Globalismus in Aussicht gestellten Freiheit sowie der Gerechtigkeit des marktorientierten Wirtschaftssystems (Attac). Dieser kritische Ansatz stellt zu jeder Zeit die Fragen anders und kommt entsprechend zu anderen Antworten. Er stellt die Erde als natürliche Heimat des Menschen in den Mittelpunkt und nicht den Markt. Er betont die Ökologie, nicht die Ökonomie und unterlegt die Globalisierung auf diese Weise mit einem planetarischen Konzept. Deshalb hat sich für diese Form der Interpretation des globalen Zeitalters der Begriff Planetarismus herausgebildet.<br />
Der Planetarismus hinterfragt radikal die „selbstverständlichen“ Voraussetzungen und schafft so neue Einsichten, die denen nicht möglich sind, die sich durch ihre TINA-Logik den Blick versperren und keine Motivation entwickeln können, die Fragen grundsätzlicher zu formulieren. Globalisierungskritik ist also Globalismus-Kritik i. S. d. planetarischen Konzepts einer am Menschen orientierten Politik- und Wirtschaftsform. Das heißt jedoch weder, dass sich neoliberale Globalisten gar nicht um den Menschen oder die Umwelt – immerhin das dritte Globalismus-Kennzeichen bei Safranski - kümmerten, noch, dass Globalismus und Planetarismus grundsätzlich unvereinbar sind. So bietet eine Liberalisierung der Märkte, die sich zum Ziel nicht den liberalisierten Markt selbst, sondern das Wohl der handelnden Menschen steckt, grundsätzlich Potential für Strategien, die von beiden Seiten befürwortet werden.[12]<br />
Der Planetarismus analysiert Globalisierung vom Menschen her, in Fragen ihrer Rechte und im Zusammenhang mit dem Thema Migration, und vom Schwächeren her, der in Fragen des Welthandels besondere Beachtung verdient. Bevor ich das vertiefen möchte, scheint es mir sinnvoll, die einzelnen Bereiche der Globalisierung und ihre Kennzeichen aus den verschiedenen Perspektiven zu beschreiben.</p>
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		<title>Globalisierung im Unterschied zur Internationalisierung</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 08:34:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (Hier geht es zum Beginn des Textes.)
Bei der Frage, ab wann man zu Recht von Globalisierung sprechen kann, gehen die Meinungen auseinander. Fest steht allenfalls, dass es sich um einen Prozess handelt, von dem man annehmen kann, dass er noch nicht abgeschlossen ist (Dörrenbacher 1999, 22).[1] [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (<a href="http://www.globalisierungsblog.de/155/globalisierung-versuch-einer-annaherung/">Hier geht es zum Beginn des Textes.</a>)</p>
<p>Bei der Frage, ab wann man zu Recht von Globalisierung sprechen kann, gehen die Meinungen auseinander. Fest steht allenfalls, dass es sich um einen Prozess handelt, von dem man annehmen kann, dass er noch nicht abgeschlossen ist (Dörrenbacher 1999, 22).[1] Wann er jedoch begann, ist umstritten; es wäre aber auch nicht sinnvoll, nach einem konkreten Datum zu suchen, denn nur selten lassen sich epochale Veränderung mit Jahreszahlen belegen. Ob die Ansicht vertreten wird, die Globalisierung sei „das Ergebnis des Zusammenwirkens und der gegenseitigen Verstärkung längerfristiger Prozesse [...] der Neuzeit“ (Osterhammel / Petersson 2003, 16) und als Phänomen eines „modernen Weltsystems“ (Osterhammel / Petersson 2003, 19)[2] globalhistorisch beschreibbar als „,Inkorporation’ [..] externer Gebiete an den Rändern einer fortwährend expandierenden kapitalistischen Weltökonomie“ (Osterhammel / Petersson 2003, 20), deren Beginn am Anfang des 16. Jahrhunderts liegt oder ob konkret äußere Gegebenheiten wie die Entdeckung Amerikas (1492), die Schaffung neuer Verkehrsverbindungen durch die Eröffnung des Suezkanals und die Fertigstellung einer Ost-West-Bahnverbindung in den USA (1869) (Köpf 1998, 10), der neuerliche Schub europäischer Kolonialaktivitäten (um 1880)[3], der Eintritt der USA in die Weltpolitik (1917)[4], die Konferenz von Bretton Woods (1943), die Mondlandung (1969)[5] oder die Überwindung der bipolaren Welt (1989/91) (vgl. dazu Beck 1997, 44) angeführt werden, hängt nicht nur davon ab, welcher Disziplin der Autor des historischen Einordnungsversuchs angehört, sondern auch davon, ob scharf genug zwischen Internationalisierung und Globalisierung unterschieden wird. Bei Ulrich Beck bilden sich die Globalisierungsphänomene schrittweise aus dem Zustand der Internationalisierung heraus. Er postuliert einen siebenstufigen Globalisierungsprozess, bei dem aus der „transnationalen Entzugsmacht“ der Konzerne (1) das „Souveränitäts-Dilemma“ (2) des Territorialstaats folgt, das sich zum „Demokratie-Dilemma“ (3) verschärft, in dem dann „Regieren ohne Regierung“ (4) möglich wird, verbunden mit einer „kosmopolitischen Ethik“ (5), die jedoch nicht den erstrebten Universalismus erreicht, sondern als „Universalismus der Differenz“ oder „Einheit in der Vielfalt“ in Erscheinung tritt und so schließlich die „Dialektik kultureller Globalisierung“ (6) offenbart. Als Lösung schließlich stellt sich Beck ein „Weltbürger-Manifest“ (7) vor: „Weltbürger aller Länder vereinigt euch!“ (1998, 18 f.).<br />
Internationalisierung ist ein altes Phänomen. Von Internationalisierung kann man sprechen, seitdem es Staaten gibt, die miteinander in (Rechts-)Beziehungen stehen, also seit „Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.“ (Ziegler 1994, 15). Die Globalisierung hat sich durch eine neue Dimension der Internationalisierung aus dieser entwickelt, wobei sich das „Neue“ sowohl quantitativ (ein „Mehr“ an Beziehung) als auch qualitativ (eine andere Art von Beziehung) beschreiben lässt. Zur Globalisierung wird Internationalisierung also ab einer bestimmten Reichweite und Intensität der Beziehungen, also dann, wenn es „kaum noch nationale Sachbereiche [gibt], welche nicht in irgendeiner Weise eine Internationalisierung erfahren hätten [...]“ (Saxer 1994, 19 f.). Eine „internationalisierte“ Welt bleibt eine Welt einzelner Nationalstaaten, die miteinander in Kooperationsbeziehungen stehen, jedoch weiterhin die maßgeblichen politischen und wirtschaftlichen Akteure bleiben. Dem liegt das Souveränitätsmodell internationaler Beziehung und des Völkerrechts zugrunde, das den Staat als einziges Völkerrechtssubjekt begreift. Eine „globalisierte“ Welt hingegen ist eine Welt, in der die Kooperationsbeziehungen eine neue Qualität erreicht haben, vor deren Hintergrund nationalstaatliche Politik unzureichend erscheint und in der ein neues System entsteht, das nur durch global governance kontrollierbar ist. Dem liegt das Humanitätsmodell internationaler Beziehung und des Völkerrechts zugrunde, das den einzelnen Menschen als Mitglied der einen Menschheit zum Völkerrechtssubjekt macht.[6]<br />
Ein „Mehr“ an Beziehung gab es in der Tat erstmals nach 1492, als sich die Möglichkeit zur globalen Interaktion de facto ergab. Aber auch die Qualität der Beziehungen änderte sich, zumindest in der theoretischen Betrachtung. Erst 1648 hat die Westfälische Staatenordnung dieser neuen Qualität völkerrechtlich Ausdruck verliehen, doch geschah dies vermittels der Völkerrechtsentwürfe des 16. Jahrhunderts. Das Völkerrecht wird dort vom Verbandsrecht (ius gentium) zum Beziehungsrecht (ius inter gentes) umgedeutet, was v. a. von der Spanischen Schule um Fransisco de Vitoria und von Bartolomé de Las Casas geleistet wurde.<br />
Von daher gibt es Gründe, die „erste Globalisierung“ im Zeitalter der großen Entdeckungen anzusiedeln, in deren Folge erstmals – zumindest theoretisch - nicht nur „internationale“ Verbände sich bildeten – wie etwa das Römische Imperium ein solcher war -, sondern ein Netz globaler politischer und wirtschaftlicher Beziehungen entstand.<br />
Osterhammel / Petersson sehen – in Anlehnung an Wallerstein - im „Aufbau der portugiesischen und spanischen Kolonialreiche seit der Zeit um 1500“ die „Vorgeschichte der Globalisierung“ (2003, 25). Dazu passt Kleinschmidts Rede von der „Globalisierung des Universalismus um 1500“ (1998, 64).<br />
Besonders deutliche Parallelen entwickelt Noam Chomsky in seinem Buch Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung, dessen englischer Titel seine Kontinuitätsthese verdeutlicht: Year 501: The Conquest Continues. Eindrucksvoll zieht er eine Linie von 1492 bis 1992 und spricht vom „fünfhundertjährigen Reich“ der Europäer, das sich unvermindert in seiner „brutalen Ungerechtigkeit“ fortsetze, die mit Kolumbus ihren Ausgang nahm (1993, 27 ff.). Die liberalistische Doktrin sei dabei „reine[r] Schwindel [..], mit dem die Schwachen eingeschüchtert wurden und den die Starken nur akzeptierten, wenn er ihnen von Nutzen war“ (1993, 38). Er kommt mit Blick auf die beiden Globalisierungsschübe zu der Feststellung: „So ist es seit jeher gewesen.“ (ebd.). Entscheidend ist dabei, dass Chomsky den Blick auf das ökonomische Moment richtet, das damals wie heute bestimmend für die Tiefe und Breite völkerrechtlicher Beziehungen ist.<br />
Auch Karl Marx legt den Beginn der Globalisierung aus ökonomischen Erwägungen in die Zeit der Entdeckungen und Eroberungen nach 1492, mit der Begründung, dass sich zu diesem Zeitpunkt die ersten kapitalistischen Systeme bildeten. Dabei wird der Zusammenhang von Kolonie und Kapital von Marx deutlich erkannt: „Die Entdeckung der Gold- und Silberländer in Amerika, die Ausrottung, Versklavung und Vergrabung der eingebornen Bevölkerung in die Bergwerke [...] bezeichnen die Morgenröte der kapitalistischen Produktionsära.“ (1969, 694). Und weiter: „Den aufschießenden Manufakturen sicherte die Kolonie Absatzmarkt und eine durch das Marktmonopol potenzierte Akkumulation. Der außerhalb Europa direkt durch Plünderung, Versklavung und Raubbau erbeutete Schatz floss ins Mutterland zurück und verwandelte sich hier in Kapital.“ (1969, 697).<br />
Ökonomisch wird die These von der „ersten Globalisierung“ im 16. Jahrhundert auch gestützt durch das, was Jürgen Habermas für die „zweite Globalisierung“ als charakteristisch betrachtet, den Entkopplungsprozess von Real- und Finanzwirtschaft: „Kein Zweifel besteht schließlich an der beispiellosen Beschleunigung der Kapitalbewegungen auf den elektronisch vernetzen Finanzmärkten und an der Tendenz zur Verselbstständigung von Finanzkreisläufen, die eine von der Realwirtschaft entkoppelte Eigendynamik entfalten.“ (1998, 94 f.). Das Phänomen der „beispiellosen Beschleunigung der Kapitalbewegungen“ trat durch die erheblichen Schulden des habsburgischen Spanien bei den deutschen Banken der Fugger und Welser in der Tat damals schon auf, die „Tendenz zur Verselbstständigung von Finanzkreisläufen, die eine von der Realwirtschaft entkoppelte Eigendynamik entfalten“ ist im Preisverfall des Goldes zu erkennen, das man dennoch immer weiter explorierte, um die Finanzmarktarrangements zu bedienen, während die Realwirtschaft Spaniens immer mehr vernachlässigt wurde.<br />
Peter Sloterdijk sieht in seinem Drei-Phasen-Modell der Globalisierung, in dem er zwischen kosmischer, terrestrischer und elektronischer Globalisierung unterscheidet, in den „Seefahrten der Portugiesen“ – also sogar noch vor 1492 - den Beginn der terrestrischen („ersten“) Globalisierung und in der Vernetzung „beliebig weit auseinanderliegender Rechner“ das Kennzeichen der elektronischen („zweiten“) Globalisierung. Die terrestrische Globalisierung geht ironischerweise mit der vermehrten Nutzung des Wassers für ausgedehnte - letztlich weltumspannende - Reisen einher (Sloterdijk 2005, 68 ff.). Dabei folgte die ökonomische Nutzung geradewegs der nautischen Erringung neuer Möglichkeiten. Sloterdijk schreibt: „Zu den ersten, die aus den magellanisch-delcanoschen Erkenntnissen praktische Folgerungen zu ziehen verstanden, gehörte der junge Monarch Karl V., ab 1516 König von Spanien, seit Mai 1519 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Ihm hatte Pigafetta noch im Herbst 1522 zu Valladolid sein Schiffstagebuch als das geheimste Zeugnis über die neue Weltlage überreicht. Karl deutete die Kunde vom Pazifik und von den übermenschlichen Mühen der Erdumrundung auf der Westroute ganz zutreffend als eine ebenso wunderträchtige wie abschreckende Neuigkeit.“ (2005, 73 f.).<br />
Auch ökonomisch weiß Sloterdijk einen interessanten Verweis auf ein Charakteristikum der „zweiten Globalisierung“ zu liefern: „Nach nur wenigen vergeblichen Versuchen, die Magellanfahrt zu wiederholen, schien es ihm ratsam, den Gedanken an erneute Reise auf der Westroute zu den molukkischen Gewürzinseln fallenzulassen. So verkaufte er im Vertrag von Saragossa 1529 die vorgeschobenen spanischen Ansprüche auf die Molukken an die portugiesische Krone zu einem Preis von 350.000 Dukaten – was sich als ein vorzügliches Geschäft erweisen sollte, nachdem verbesserte Längenmessungen auf der anderen Seite der Erdkugel wenige Jahre danach den Beweis erbrachten, daß die begehrten Gewürzinseln nach dem Erdteilungsvertrag von Tordesillas zwischen Spanien und Portugal aus dem Jahre 1494 ohnedies in die portugiesische Hemisphäre fielen. In diesem interdynastischen Besitzerwechsel von fernen Ländern, von denen offensichtlich weder der Käufer noch der Verkäufer wußten, wo genau sie sich befanden, spiegelt sich deutlich wie kaum in einem anderen Akt aus jener Zeit die spekulative Natur der ursprünglichen Globalisierung wider. Es ist ein wenig lächerlich, wenn die heutige Publizistik in den jüngsten Bewegungen des spekulativen Kapitels den realen Grund des Weltformschocks namens Globalisierung identifizieren will. Das Weltsystem des Kapitalismus etablierte sich vom ersten Moment an unter den ineinander verwobenen Auspizien von Globus und Spekulation.“ (2005, 74). Und weiter: „Von Anfang an verstrickte das ozeanische Abenteuer seine Akteure in einen Wettlauf um verhüllte Chancen auf undurchsichtigen Märkten.“ (2005, 75). In eben jener undurchsichtigen Spekulation der terrestrischen Globalisierung zeigt sich paradigmatisch das Wesen des Welthandels auch in der heutigen, der elektronischen Globalisierung: Man weiß eigentlich nicht, was man handelt, wenn man Optionsscheine auf Aktien eines Unternehmens in Korea kauft, von dem man nicht weiß, ob es existiert und was es produziert. Es zeigt sich dennoch eine quantitative Unterscheidung: Was damals Ausnahme war und sich unter Königen abspielte, ist heute die Regel und kann von jeder und jedem ausgeübt werden. Konsum ist global und virtuell. Also gilt: Von der „ersten“ zur „zweiten Globalisierung“ gelangt die Ökonomie durch Verdichtung des vorhandenen Potentials an globaler Interaktion. Die Schaffung dieses Potentials liegt 500 Jahre zurück. Sloterdijk verweist mit dem Begriff terrestrische Globalisierung in diesem Kontext zurecht auf die Schiffstechnologie und die Seefahrt. Doch der Durchbruch gelang erst mit dem Computer und dem Internet, mit der elektronischen Globalisierung.<br />
Den Zusammenhang zwischen terrestrischer und elektronischer Globalisierung sieht Sloterdijk schließlich auch darin – und hier offenbart sich der Medientheoretiker -, dass die elektronische Globalisierung als Basis der Wiedergutmachung für die Schäden der terrestrischen fungiert, die dadurch angeregt werde, dass die „Erste Welt“ via elektronischer Medien ständig Teil hat am Elend der „Dritten Welt“. Der aufdringlichen Restitutionsforderung, mit der man uns jederzeit aus der Ferne ärgert, kann sich keiner entziehen: Präsenz überwindet Ignoranz.<br />
Dennoch brachte diese „erste Globalisierung“ vor 500 Jahren nur lose Ordnungsprinzipien für die Staaten mit sich, deren Gesellschaften als abgeschlossene, klar abgegrenzte Einheiten auftraten, die zwar in Beziehungen zueinander standen, die aber weder besonders zahlreich, noch besonders intensiv waren.[7] Diese Form des Beziehungssystems ist typisch für das Verhältnis der souveränen europäischen Nationalstaaten zueinander während der letzten fünf Jahrhunderte.<br />
Von der Minimalinteraktion als Ausnahme zum Grundsatz der Nichteinmischung hin zur Maximalverflechtung als Basis größtmöglichen Fortschritts in unserer Zeit der „zweiten Globalisierung“ ist eine weitere quantitative Intensivierung und qualitative Vertiefung der Beziehungen nötig gewesen.<br />
Im Wandel von der singulären Interaktion zu einem Beziehungssystem als komplexes Netzwerk mit extrem hoher Intensität und Geschwindigkeit der Kontakte liegt der quantitativ bestimmte Übergang von der „ersten“ zur „zweiten Globalisierung“. Ein eindrucksvolles Bild ist das „Spinnennetzmodell“ der „Transaktionswelt“, das in den 1970er Jahren John W. Burton prägte, der zur Illustration des immer komplexer werdenden Beziehungsgeflechts vorschlug, eine Weltkarte ohne politische Grenzen zu zeichnen, auf der alle Telefongespräche, alle Reisen und alle Warenströme als Interaktionen aufgetragen sind. Dabei unterliegen die Tauschprozesse einer steten Beschleunigung. Die Geschwindigkeit der Interaktionen hat mit der massenhaften Verbreitung des Personalcomputers ein nicht mehr zu steigerndes Maß erreicht: die Lichtgeschwindigkeit, mit der die elektronischen Transaktionen ablaufen.[8]<br />
Es kommt weiterhin darauf an, dieser Komplexität durch qualitative Veränderungen der Beziehungskultur Stabilität zu verleihen, d. h. rechtliche Rahmenbedingungen, so genannte „Regime“, zur Institutionalisierung und Reglementierung der Beziehungen zu entwickeln. Dies geschieht v. a. seit dem Zweiten Weltkrieg, etwa durch die Konferenz von Bretton Woods (1943) und die sich ihr anschließenden GATT-Verhandlungen und mit der Gründung der Vereinten Nationen (1945).<br />
Nun tritt aber noch ein drittes Moment hinzu, nämlich die wachsende Zahl der Beziehungsregeln, durch die jene Souveränität des Nationalstaats auf Institute der Weltgemeinschaft übertragen wird. Dieses Moment betrifft die Quantität zweiter Ordnung, ein „Mehr“ an Beziehungsregelung, ein „Mehr“ an neuer Qualität. Diese Tendenz ist seit 1991 zu erkennen, v. a. in der Weltwirtschaft. Hier sorgt die WTO für ein globales Regime der permanenten selbstindizierten Beziehungskontrolle, ein wirkliches Novum in der Geschichte. Unverkennbar hat eine „neue Etappe“ (von Weizsäcker 1999, 47) der Globalisierung begonnen, die von gestiegener Quantität neuer Qualität geprägt ist.<br />
Das Völkerrecht der Globalisierung ist eines, das sich an der Vermehrung und Vertiefung globaler Beziehungen orientiert. Aus der Globalisierung folgt der Rechtsrahmen, nicht umgekehrt. Regime wie die WTO entstehen, weil sie gebraucht werden. Andererseits protegieren die Regime eine bestimmte Form von Globalisierung, indem sie bestimmte Handlungsweisen favorisieren und andere sanktionieren.<br />
Darin liegt die Ambivalenz der Globalisierungsspielregeln: Einerseits wird die Welt durch sie „kleiner“, wie Marshall McLuhans Bild des „global village“[9] deutlich macht, andererseits wird sie „größer“, erscheint „vermehrt“ und „unübersichtlicher“ als je zuvor. Alte Grenzen werden durch das Beziehungsmanagement abgebaut, aber gleichzeitig werden neue geschaffen. So kann bis hierhin festgehalten werden, dass das Phänomen Globalisierung ein durch Regelwerk verstärkter und vertiefter Prozess ist, der – wie ich eingangs sagte - noch nicht abgeschlossen ist und bei dem es nun darauf ankommt, die „Qualität der neuen Qualität“ zu steigern, also Beziehungen nicht nur zu mehren, sondern zu stärken und zu vertiefen.<br />
Gerade in der Verstärkung und Vertiefung zeigt sich schließlich die Parallele der &#8220;zweiten Globalisierung&#8221; heute zur &#8220;ersten Globalisierung&#8221; in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, oder wie es Ulrich Beck zusammenfasst: &#8220;Was sich vor unseren Augen abspielt, ist sehr wohl vergleichbar mit der Entdeckung Amerikas. Unter den Segeln der Weiter-so-Modernisierung sind wir nach &#8220;Indien&#8221; aufgebrochen und in der Einen Welt(-Gesellschaft) mit ihrer noch unvertrauten, unerforschten, &#8216;entterritorialisierten&#8217; sozialräumlichen Ordnung gelandet - mit ihren neuartigen transnationalen Machtspielen, Lebensformen, Lebensstilen, Kulturlandschaften, Managementeliten, Gegensätzen von lokalisierter Armut und globalisiertem Reichtum, grenzübergreifenden sozialen Bewegungen sowie Regierungsmöglichkeiten jenseits des Nationalstaates.&#8221; (Beck, auf http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/SS99/global/zitate.html). Für diese neue Ordnung, von der Beck spricht, gibt es unterschiedliche Ordnungsoptionen, von denen ich zwei - den Globalismus und den Planetarismus - gegenüberstellen möchte.</p>
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