Die Globalisierung ist schuld
In einem Beitrag im Hamburger Abendblatt mit dem Titel “Die Schwäche der Globalisierung” ist zu lesen:
“Nur weil in den USA sich zu viele Menschen zu viel Geld gepumpt haben, geraten inzwischen sogar europäische Banken so unter Druck,…”
und
“Die Finanzkrise könnte ein Anlass sein, nachzudenken. Zum Beispiel über Gier und den Sinn von Hedgefonds.”
Ich denke, hier werden die Zusammenhänge einfach verkannt. Natürlich ist der Auslöser für die jetzige Krise richtig benannt, aber das Wörtchen “nur” ist fehl am Platz, denn es ist ja bei weitem nicht der einzige Grund. Die Blase ist auch deshalb entstanden, weil die Kreditpakete von Anlegern auf der genzen Welt aufgekauft wurden. Ohne diese bereitwilligen Abnehmer, wäre die Kreditvergabe wahrscheinlich schon früher eingeschränkt worden und eine Blase wäre vielleicht nicht entstanden.
Die europäischen Banken geraten ja auch nur deshalb unter Druck, weil sie in ebendiese Anlagen investiert haben. Seit langer Zeit wird schon vor einer Blase auf dem US -Immobilienmarkt gewarnt.
Auch die Gier und der Sinn von Hedgefonds steht und fällt mit den Anlegern, die in die Hedgefonds investieren. Jetzt bekommen einige Hedgefonds gewaltige Dämpfer, aber bisher haben die Anleger das Geld eben da investiert, wo es am meisten Rendite abwarf. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Nur ob die Hedgefonds dann weiterhin so beliebt sind ist abzuwarten.
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am 12. August 2007 um 2:38 pm Uhr.
Hallo Sebastian, ganz so einfach ist es nicht. Es ist schlichte Gier die zu den Problemen geführt hat:
1. Die Baugesellschaften wollten soviel Häuser verkaufen wie möglich obwohl sie wussten dass ein grosser Teil der Käufe spekulativ war. Es galt der Quartalsgewinn bei den Großen (ca. 50 000 Wohneinheiten je Jahr) und der Gewinnwunsch bei den regionalen Firmen.
2. Die Banken haben ohne Bonitätsprüfung finanziert weil sie auch an die Blase geglaubt haben.
3. Seit einigen Jahren werden US-Hausbaudarlehen gesammelt und in Tranchen verpackt. Den Anfang machten glaube ich die REIT’s die auch in D eingeführt werden sollen. Bei uns ist die Mezzanin-Finanzierung in der Richtung. Das Rating machen entsprechende Agenturen die dafür bezahlt werden und vielleicht deshalb derTheorie der mathemathischen Erfassbarkeit gefolgt sind. Ob sie drsan geglaubt haben? Jedenfalls können sie sich öffentlich rechtfertigen und haben auch Geld verdient. Auch die müssen für die Aktionäre Geld verdienen. Leider wurde dabei der gewaltige Einfluss des spekulativen Elements (bewusst?) übersehen. Da ist halt am Hausmarkt statt an der Börse spekuliert worden. Das heisst die psychologische Seite hat keinen Einfluss in die mathematischen Modelle gefunden. Lieber Genuss sofort, wer weiss ob sich noch mal eine Gelegenheit für alle Beteiligten ergibt viel Geld zu verdienen.Dabei ist der housing market historisch zyklisch.
4. Deutsche und ander Banken haben im Vertrauen auf das Rating das Debt gekauft un stellen plötzlich fest dass die kalkulierten (und im hohen Zins abgedeckten) Ausfallquoten nicht der Realität entsprechen. Wie bei einem Schneeballsystem bricht Alles mit zunehmender Geschwindigkeit -wieder Psychologie, denn so hoch sind die Ausfallquoten nicht- zusammen.
5. Fazit:
Um einen hohen Ertrag vorweisen zukönnen haben aus Gier sehr hoch bezahlte Manager ohne jede spezifische Ahnung des housing market Geld der Aktionäre die auch eine hohe Rendite wollten investiert das sie besser anderswo angelegt hätten. Das wird nur übertrumpft durch den österreichischen BAWAG-Skandal wo eine Gewerkschaftsbank auf Grund von Freundlwirtschaft mit Milliardenverlusten das Kapital der Gewerkschaften verspielt hat. Bei uns haben die nur die Neue Heimat und andere Eigenbetriebe an die Wand gefahren.
Mit Hedgefonds hat das so wenig zu tun wie Milkens mathematisch korrektes Junkbond-Portfolio mit seiner späteren Verurteilung.
Fazit 2:
Es wird immer wieder geschehen, Globalisierung hin oder her
am 12. August 2007 um 6:53 pm Uhr.
Klar, aber bei 4. hätten die Banken schlauer sein können. Die Risiken waren eigentlich bekannt.
am 12. August 2007 um 7:21 pm Uhr.
Wenn das hoch geratet wird sieht der Banker entweder kein Risiko oder benutzt das Rating als unantastbare Entschuldigung. Dafür sind die Ratingagenturen ja da.Wenn ich richtig informiert bin dann macht bei uns sogar die KfW Mezzaninfinanzierungen bei Mittelstandsfirmen die sicher auch irgendwie refinanziert werden. Das muss also nichts schlechtes sein.
In der US-Fachliteratur wird jedenfalls seit über einem Jahr spekuliert ob im housing market die Blase platzt. Das hätten die US-Ratingagenturen auch lesen können.
am 13. August 2007 um 11:24 am Uhr.
Also ich glaube, da ist keine Blase geplatzt - da werden einige bestimmt viel Geld verdient haben und das ist doch der Sinn von Spekulationen, oder? Und wo es einen Gewinner gibt, gibt es auch jemanden, der die Zeche zahlen muss.
Das einzig Faule daran ist, dass sich zeigen wird, ob wirklich irgendwelche Spekulanten die Verluster verbuchen, oder ob die umgemünzt werden…
@Karl und Fazit 2:
Das Geschehene hat vielleicht nichts mit der Globalisierung zu tun, aber die Auswirkungen…