Die Globalisierung der Unternehmen
Ich habe ja vor kurzem einen Blog-Karneval ins Leben gerufen und freue mich über die bisherigen Beiträge. Nun werde ich selbst auch etwas im Rahmen des Projekts schreiben. Im Prinzip könnte ja fast jeder der hier geschriebenen Artikel daran teilnehmen, aber ich habe mir gedacht, ich widme mich heute einem Thema, das ich bisher vernachlässigt habe.
Die Globalisierung der Unternehmen
Die globalen Konzerne stehen fast genauso in der Kritik, wie die Staaten. Gerade die großen US-Unternehmen wie McDonalds, Coke oder Disney sind stark globalisiert. In (fast) jedem Winkel der Welt kann man Big-Macs essen, daher gibt es den Big-Mac-Index, der als Vergleichsmaßstab für die Kaufkraft einder Währung genommen wird. Auch Coca-Cola kann man in fast jedem Land dieser Erde trinken. Mickey-Mouse ist auch zu einem Sinnbild der kulturellen Globalisierung geworden.
Diese Punkte betreffen die kulturelle Globalisierung. Die Befürchtung ist, dass durch diese eigentliche Amerikanisierung lokale Bräuche verloren gehen und ein weltweiter kultureller Einheitsbrei entsteht.
Gerade in diesem Punkt ist die Kritik meiner Meinung nach etwas widersprüchlich. Als Beispiel beschränke ich mich auf Deutschland. Die Globalisierungskritiker verurteilen diese Globalisierung der Klultur und möchten lokale Bräuche stärken. Im Gegenzug sind diese Kritiker meist die letzten, die hier vor Ort an lokalen Bräuchen teilnehmen. Auf dem Schützenfest oder Erntedankfest ist die protestbereite globalisierungskritische Klientel meist nicht vertreten. Auch die Idee einer Leitkultur ging nicht von dieser Seite aus. Hier ergibt sich meiner Meinung nach ein Widerspruch.
Weiterhin stellt sich die Frage, was man den Unternehmen in dieser Hinsicht vorwerfen kann? Alleine das Anbieten und Bewerben der eigenen Produkte kann eigentlich nicht verwerflich sein. Wenn die Produkte vor Ort gekauft werden, dann ist es die Entscheidng jedes Einzelnen. Hier kann ich die Kritik also nicht teilen. Es wäre die Aufgabe der Staaten vor Ort, eventuell Wettbewerb einzuschränken, um lokale Anbieter zu stärken, also so etwas wie eine Kartellbehörde einzuführen. In der EU und den USA wird das doch auch so gehandhabt.
Die Entwicklungsländer werden aber meist dazu gedrängt oder fast gezwungen, ihre Märkte zu öffnen. Dies wird dann durch Bedingungen erreicht, an die die Kreditvergabe des IWF genküpft ist. Davon profitieren dann natürlich die Konzerne mit ihrem Sitz in den mächtigen Staaten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Doch das ist nicht das heutige Thema.
Weiterhin wird den Konzernen vorgeworfen, in vielen Fällen die Biliglöhne der Entwicklungsländer auszunutzen und die Arbeiter zu miserablen Konditionen zu beschäftigen. Auf der einen Seite gibt es nut ein mickriges Gehalt und auf der anderen Seite auch noch schlechte Arbeitsbedingungen. Extrem lange Arbeitszeiten, häufuge Arbeitsunfälle, Hire-and-Fire Mentalität, Unterdrückung von Gewerkschaften etc. etc.
Es ist also eine lange Liste von Vorwürfen. In diesen Punkten kann man den Kritikern auf den ersten Blick nicht widersprechen. Die Unternehmen bemühen sich aber nach einigen Skandalen, nun gewisse soziale Mindeststandards einzuführen.
Paradox an der Sache ist, dass für die Arbeiter in den Betrieben, dies meistens immernoch die beste Wahl ist, und die Beschäftigten trotz schlechter Arbeitsbedingungen froh sind, diesen Job zu habe. Auch für die Volkswirtschaften ist es besser, zunächst zu geringen Löhnen zu arbeiten.
Das Beispiel Südkorea zeigt eindrucksvoll, dass man von einem Billiglohnland zu einem Industriestaat aufsteigen kann.
In diesem Punkt gebe ich den Kritikern also grundsätzlich Recht: Es müssen Mindeststandards eingehalöten werden. Aber es ist zu bedenken: Bei gleichen Beschäftigungsbedingungen wie in westlichen Ländern, würde die Wirtschaft in den betreffenden Regionen sich kaum entwickeln können. Es muss ja einen Grund geben in diese Länder zu investieren, und wenn es nur die Lohnkosten sind.
So, das war mein Beitrag zu meinem eigenen Blog Karneval. Danke auch hier an die bisherigen Teilnehmer:
Yoda, Zappi, Der Verwerter, Atlatos Traveller, Zenblé, Thomas Matterne und JLT.
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am 6. August 2007 um 10:43 am Uhr.
Es ist wie mit den Tante Emma-Läden. Wenn die Leute nicht im Supermarkt kaufen würden gäbe es die heute noch. Und wenn die Leute nicht bei McDonalds essen würden…. Irgendwo wird doch da eine Marktlücke abgedeckt, oder?
Auch Disney ist ein kultureller Faktor. Bei uns kostet eine Theaterkarte mehr an Subventionen als ein Fernseher zum Empfang von ARTE. Das ist Kultur für eine kleine Elite, bezahlt von den Masssen. Disney ist Kultur für die Massen ohne Subventionen, bei uns wird das Angebot von Disney oft herablassend als Kitsch bezeichnet.
Die Verachtung der kleinen Leute in Deutschland, wer nicht studiert und einen Titel erworben hat gilt als bedauernswerter Fall sozialer Unangepasstheit, hat bei uns zu einer sinnlosen Titelflut und einem Defizit an guten Handwerkern geführt. Disney dagegen geht auf die Emotionen und Unterhaltungswünsche dieser Klientel ein und liefert ein entsprechendes Kulturprogramm, ausserhalb Europas (Frankreich, Hongkong, Japan) überwiegend finanziert mit örtlichem Kapital. Ist das noch Globalisierung oder nur die Abdeckung von Defiziten im örtlichen Bereich durch örtliche Unternehmer mit einer modernisierten Umsetzung traditioneller europäischer Märchen und amerikanischer Hilfe?
Bei der Ausnutzung der armen Länder hat Sebastian schon auf die Probleme und Widersprüche hingewiesen. Auch Deutschland ist mal klein angefangen, Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden Arbeiterschlafstellen zweifach benutzt, vor 40 Jahren wohnten Studenten noch in möblierten Zimmern. Unsere heutigen Ansprüche können wir uns nur leisten weill wir in arme Länder überteuerters Knowhow liefern. Früher hat der Pflanzer auf der Veranda gesessen und den Sklaven beim Baumwollpflücken zugesehen, heute besehen wir die Lebensverhältnisse derer die unseren Lebensstandard finanzieren interessiert im TV und auf Fernreisen ohne dass wir uns darüber klar werden dass die Wurzel des Übels bei uns und unseren Ansprüchen liegt weil wir im Zuge der Globalisierung Ursache und Wirkung geografisch getrennt haben.
am 6. August 2007 um 10:49 am Uhr.
Danke für deinen Kommentar.
Du veranschaulichst das ganz gut.