Geierfonds in Afrika
Die Deutsche Welle berichtet über die Methoden von Geierfonds im Umgang mit afrikanischen Schulden. Diese Fonds leben davon, dass sie Schulden mit enormen Abschlägen kaufen und diese dann Eintreiben. So etwas wie Inkasso nur auf höherer Ebene. Im genannten Beispiel geht es um Sambia.
Durch den Schuldenerlass sollten eigentlich Mittel freiwerden, die in den Aufbau des Landes fließen sollten. Nun geht das Geld an einen Geierfonds.
Hier wird mal wieder der Zielkonflikt zwischen Marktwirtschaft und sozialen Zielen deutlich. Die reine freie Marktwirtschaft führt nämlich eben gerade nicht zu einer sozialen Welt, so wie die meisten Menschen es sich wünschen.
Insgesamt führt an der Marktwirtschaft kein Weg vorbei, denn sie hat sich anderen Systemen als überlegen erwiesen. Dennoch muss man sehen, dass man die Welt sozial gestaltet. Wir wollen uns in der Welt ja auch wohlfühlen.
Ich meine jetzt auf keinen Fall die Innenpolitik in Deutschland. Hier sind wir von der freien Marktwirtschaft ja weit entfernt.
Wie dem auch sei: Im oben genannten Fall ist auf jeden Fall rechtlich alles sauber, moralisch aber fragwürdig. Denn die Ziele des Schuldenerlasses werden so konterkariert.
Andere Beiträge:
- Soziale Gerechtigkeit
Wie die Welt berichtet, werden die Rufe nach noch mehr... - China und die Globalisierung II
Wie der Economist berichtet, werden die "Slums" rund um die... - Die Aussichten der BRIC Länder
Die Länder Brasilien, Russland, Indien und China werden als Schwellenländer... - Entwicklungshilfe auf dem Prüfstand
Die Wirtschaftswoche hat in der Ausgabe von letzter Woche das... - IWF und Weltbank im Umbruch
Ein sehr interessanter Artikel in der NZZ befasst sich heute...
am 2. August 2007 um 7:17 pm Uhr.
Wer hat denn die Schulden wofür gemacht?
am 2. August 2007 um 8:45 pm Uhr.
Die Schulden wurden irgendwann in den 70ern von Sambia bei Rumänien gemacht. Irgendwann vor dem Schuldenerlass wurden diese Schulden dann an den Fonds verkauft.
Näheres steht in dem oben verlinkten Artikel.
am 3. August 2007 um 6:41 am Uhr.
Habe gelesen. Wenn sich ein Staatschef 1 Mio in die Tasche steckt dann ist wohl jeder Schuldenerlass sinnlos. Erst einmal sollten funktionierende Rechnungshöfe mit Sanktionsmöglichkeiten (die haben sie auch bei uns kaum) eingeführt werden, diese sollten dann vom IWF, der Weltbank oder UN überwacht werden. Sonst finanzieren wir über den nächsten Schuldenerlaß auch die nächste Elite und Afrika kommt nie auf die Beine.
Im Grossen wie im Kleinen, jeder sorgt erst mal für sich selbst und seine Familie und findet dabei genug willige Helfer die von den Krumen leben die vom Tisch fallen. Die Auflösung der Familie wie bei uns kann sich in Afrika und anderen armen Teilen der Erde niemand leisten weil er sonst keine soziale Absicherung hat.
die garantiert die Familie, der Clan usw. Und das wird sich auch nicht ändern, auch wenn theorethisch “Demokratie” herrscht und gewählt wird > Mugabe u.A.
Was ich technisch nicht verstehe ist wie man jemand Schulden erlassen kann die einem nicht gehören?
am 3. August 2007 um 7:07 am Uhr.
Genau das geht ja nicht.
Natürlich ist rechtlich alles OK. Moralisch aber zweifelhaft. Korruption ist natürlich das stärkere Problem.
am 3. August 2007 um 10:00 am Uhr.
ich glaube nicht, dass man die überlegenheit des kapitalistischen Systemes so einfach in den raum stellen kann. das kapitalistische globalisierende system ist ja zunächst das wirtschaftsmodell in der tradition adam smiths, der eine wirtschaftliche theorie entwickelte die dem “Wohlstand der Staaten” dienen sollte. heute allerdings macht in einer globalisierten welt smiths´ “unsichtbare hand” angetrieben durch die internationalen kapitalmärkte leider zu häufig nicht mehr was die staaten gern wollen. china beispielsweise stellt sich aus der kommunistischen richtung kommend dagegen und hat erkannt, dass es in einem kapitalistischen System eine tendenz zur Konzentration von kapital gibt, welches sich der kontrolle und dem dienst an der allgemeinheit des staates erfolgreich entziehen kann. darum werden in chinas version von kapitalismus nun die großen unternehmen stärker kontrolliert als dies bei uns ist, während die kleinen und mittelständler weitestgehend tun können was sie wollen. um zum anfang zurückzukommen: es ist nicht richtig pauschal die beiden systeme gegeneinanderzusetzen, richtiger ist vielmehr ein wirtschaftssystem zu haben, dass kapitalistischer geprägt ist, wenn in bereichen wachstum gebraucht wird und kommunistischer in bereichen wo erwirtschaftetes zum Wohle aller umverteilt werden muss. Letzteres findet bei uns zum Beispiel nicht ausreichend statt. hier können großunternehmen in den himmel wachsen, während die politik machtlos zusieht und resignierend feststellt, dass das eben so ist mit der Globalisierung.
am 3. August 2007 um 10:52 am Uhr.
Ich glaube dass trotz aller guten Wünsche der Kapitalismus genauso ein Naturgesetz ist wie der Egoismus, wenn nicht Beide das Gleiche sind. Ich glaube aber auch dass der Verteilungskampf je härter ist je geringer die wirtschafliche Basis und je schlechter die Ausbildung. Hilfe zur Selbsthilfe wäre danach, Sebastian hat das ja auch angesprochen, Investition in Bildung. Doch welcher Diktator in der 3. Welt ist schon an der Bildung seiner Untertanen interessiert? Das war früher bei den deutschen Duodez-Fürstentümern genauso, incl. Zensur.
Ein weiteres Problem ist die Vermischung ganzheitlicher traditioneller Agrarsysteme mit der Industriegesellschaft in der Gobalisierung. Nicht ohne Grund gibt es Kurse für Manager über das Benehmen in China, Japan oder anderen Ländern weil sich die Kulturen (noch?) nicht angeglichen haben. Einig ist überall ein oberflächlicher Amerikanismus zu erkennen der aber auch oft in Anti-Amerikanismus umschlägt. Eliten die ihre Kinder zu Ausbildung in die USA schicken hassen die USA zum Teil, z.B. in Südamerika.
Die Vermischung von traditionellen ganzheitlichen mit neuen arbeitsteiligen Strukturen möchte ich am Beispiel türkischer Kurden beschreiben. Kurden sind traditionell Halbnomaden mit Gemeinschaftsweiden deren Nutzung vom Clanchef, dem Aga, geregelt wurde. Das funkrioinierte solange bis im Zuge der neuen Zeit Grundbücher angelegt wurden. Der Aga, oft lebt er jetzt an der Ägäis statt im Südosten, liess alles Land auf seinen Namen eintragen und ist jetzt reich, die Anderen fliehen in die Städte oder leben von der Gnade des Aga abhängig eine Subsistenz ohne Eigentum. Und wenn man Fontane und Zeitgenossen liest dann war es in Deutschland nicht anders. Die Junker lebten in Berlin, die “Klitsche” in der Mark Brandenburg sicherte den standesgemäßen Lebenswandel oder wurde am Spieltisch geopfert. Es gab die gleiche Landflucht und der sich enwickelnde Mittelstand wurde in seiner Sucht die Lebensform der Juncker zu übernehmen und womöglich ein sinnloses Adelsprädikat zu ergattern als “Provinzonkel” verspottet und war nicht satisfaktionsfähig.
Zu oft wird vergessen dass wir, vielleicht in etwas abgewandelter Form, den gleichen Reifeprozess durchgemacht haben wie er anderen Ländern noch bevorsteht. Sicherlich geht das auch noch weiter denn auch unsere Demokratie ist verbesserungsbedürftig z.B. was die finanzielle Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler angeht. Wann ist je die Verschwendung öffentlicher Gelder durch Behörden oder Politik sanktioniert worden?
Im Fall Bremen liegt z.b. ein neues Gutachten vor dass feststellt dass das Land sich selbst helfen könnte. Lt. Presse tut der Bürgermeister das als “akademisches Gewäsch” ab. Sicherlich wird sich auch jemand für ein Gegengutachten finden, dass ist dann “wissenschaftlich einwandfrei fundiert”. Politik braucht eben Geld um Wohltaten zu verteilen, zuerst an die die der herrschenden Richtung nahestehen. Wo ist da der Unterschied zu Afrika?
Da spielt auch das Eigentumsprinzip keine Rolle mehr, jemand der Mietwohnungen vorhält und finanziert ist heute schon so gut wie enteignet. Warum gilt der Grundsatz “Eigentum verpflichtet” (ab welcher Summe, frür wen, zu was?) nicht auch für andere Investitionsarten? Richtig, weil sonst für die Gewerkschaften z.B. bei Kapitalgesellschaften nichts mehr überbleibt dass für ihre Miglieder auf gut kapitalistische Art verteilt werden könnte. Die eigenen Kapitalgesellschaften oder die von ihnen beherrschten haben sie schon an die Wand gefahren: Neue Heimat, Coop, Bremer Vulkan usw., VW ist jahrzehntelang nicht richtig auf dei Beine gekommen weil Politik und Gewerkschaften zusammengearbeitet haben, usw. Da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: Kapitalismus = Egoismus und wer an der Krippe sitzt bedient zuerst sich selbst, gleich unter welchem Deckmantel, s. Lafontaine’s Häuschen.
am 3. August 2007 um 11:11 am Uhr.
Danke Thomas und Karl für eure Kommentare. Ich bin auch der Auffassung von Karl, dass Kapitalismus uns gewissermaßen genau wie Egoismus genetisch angeboren ist, genauso aber auch wie ein Sozialgefühl.
am 3. August 2007 um 5:12 pm Uhr.
Aber wie setzt Du das soziale Gefühl in die Wirklichkeit um? Es gibt immer negativ und positiv Betroffene. Und dazu kommen Machbesessene wie z.B. der schon genannte L. die einfach politisch einen Neidkomplex ausnutzen, komme was da wolle Hauptsache der Hahn steht auf dem Mist und kann krähen..
Da ist dann auch noch das Prinzip des Wirkungsgrades. Ein höherer Wirkungsgrad der Wirtschaft angestachelt durch Egoismus bringt den Beteiligten wahrscheinlich viel (wir vergessen mal den Einfluss auf die natürlichen Resourcen, aber das tun die GRÜNEN auch mittlerweile, das ist jetzt eine ganz normale Partei in der mehr öffentliche Posten ergattert werden als bei den vorher verteufelten anderen) mehr als ein grosser und teurer Umverteilungsapparat wie in D wo sie mir aus der linken Tasche nehmen was sie in die rechte wieder reinstecken, abzüglich der hohen Kosten für den Apparat.
Wer es versteht auf dem Klavier zu spielen z.b. in Brüssel, bekommt mehr als der der auf des “soziale” System vertraut. Seht mal was z. B. Italiener, Franzosen, Engländer und Griechen da abzocken. Nicht ohne Grund schicken andere Länder ihre Spitzenleute nach Brüssel während wir das europäische Parlament als Versorgung für abgehalfterte Abgeordnete oder Minister sehen.
am 4. August 2007 um 9:01 am Uhr.
Ich meine nicht unbedingt ein festgelegtes staatliches Sozialsystem, dass es aber so etwas wie ein angeborenes Sozialgefühl gibt, zeigt ja auch z.B. das Engagement der Reichen. Bill Gates etc.
am 5. August 2007 um 8:07 pm Uhr.
Damit wir uns nicht Missverstehen. Ich glaube schon dass ein Korrektiv des Egoismus erforderlich ist. Nur bisher ist das meist von Menschen okkupiert um ihren eigenen Egoismus besser ausleben zu können, bei den Religionen ebenso wie in der Politik. Wenn wir da Anspruch und Wirklichkeit vergleichen,….Junge, Junge.