Wahrnehmung der Globalisierung

Heute bin ich auf eine Umfrage der FT zum Thema Globalisierung aufmerksam geworden. In Deutschland fand diese fast kein Medienecho, aber zumindest in Österreich.

Der Umfrage zufolge stehen die Bürger der europäischen Staaten und auch der USA der Globalisierung skeptisch gegenüber. Nur ein Drittel der Deutschen und nur ein Fünftel der Franzosen, Briten, US-Bürger und Spanier sind der Meinung, die Globalisierung nutze der heimischen Wirtschaft.

Interessant wird es, wenn man sich das Echo im Rest der Welt anschaut. In Südkorea wundert man sich, dass gerade die vermeintlichen Profiteure der Globalisierung diese Einstellung haben.

Gleichzeitig wurde auch nach Managergehältern gefragt, diese sollen der Mehrheit zufolge begrenzt werden.

Die einzige von mir ausgemachte Fundstelle für etwas genauere Daten ist hier.

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9 Kommentare zu “Wahrnehmung der Globalisierung”

  1. Karl

    Hallo Sebastian,

    ich glaube zuerst sollte man definieren was Globalisierung ist bzw. nicht ist. Den Begriff rein wirtschaftlich anzuwenden ist meiner Ansicht nach verfehlt denn die Randbedingungen werden stark von anderen, unter anderem psychologischen, Faktoren bestimmt, z.B. die Ölversorgung z.T. von der Religion der Förderländer. Die eine Globalisierung gibt es glaube ich nicht sondern ohne Anspruch auf Vollständigkeit Globalisierung:

    - der Religion
    - der Managergehälter (sic)
    - des Terrors
    - der politischen Konflikte
    - des Kapitals
    - der Ideologien
    - der Opposition (NGO’s)
    - des Transport
    - der Arbeit (Gastarbeiter und Teleworking)

    Diese einzelnen (und Andere) Globalisierungskomponenten bilden Schnittmengen miteinander die geografisch unterschiedlich sind und das Denken der Menschen beeinflussen.

    Mein Lieblingsbeispiel: Die Türkei
    Mehr als 80 % der Investitionen dort stammen aus EU-Ländern (NEWS, Österreich, Nr. 24/07), trotzden besteht in der EU eine starke Opposition gegenüber der Aufnahme der Türkei in die EU.

    Und was das Thema Managergehälter angeht: Es gibt sicher einen Grund weshalb die politische Klasse und deren administrative Zuarbeiter (z.B. in Brüssel) auch in Demokratien über die Faktoren Einkommen, Sonderleistungen, Aufwandsentschädigungen, Steuerprivilegien, Altersversorgung usw. ihre Einkommen verschleiert und trotzdem hohe Managergehälter lauthals als unmoralisch relativ zum Durchschnittseinkommen verteufelt.

    In der Politik wird nur alle 4 Jahre gewählt, an der Börse jeden Tag. Wenn die Aktionäre der Meinung sind dass die Managergehälter im Verhältnis zum Ertrag überzogen sind sinkt der Aktienkurs, das hält kein Vorstand lange aus. Aber auch in der Wirtschaft wird versucht in den Bilanzen Auswüchse zu verschleiern.

    In der Politik wird sich der gemeinschaftliche Absolutismus der Gewählten in der Demokratie genausowenig abschaffen lassen wie es im real existierenden Marxismus möglich war. Zu stark ist der Individualtrieb des Menschen auf Vereinnahmung bzw. Machtzuwachs gerichtet, bzw. einige sind eben immer gleicher.

  2. Sebastian

    Natürlich kann man Globalisierung nicht nur wirtschaftlich definieren. Man kann das ber auch nicht so einfach trennen. Das bildet ein System: So wird die kulturelle bzw. gesellschaftliche Globalisierung auch als McDonaldisierung bezeichnet. Was ist McDonalds? Ein Wirtschaftsunternehmen, das sich global ausbreitet. Eine klare Abgenzung fällt also schwer.

  3. Axel

    Geht aber nicht nur top down.
    Gibt es überhaupt eine Rückkoppelung von dem was die Leute über die Globalisierung denken auf die Globalisierung selbst?
    Wir haben sehr verschieden motivierte Akteure in einem internatioanlen Rahmen. International ist sowieso schwerer steuerbar als national (s. UNO und so).
    Globalisierung1 war die Kolonialisierung inklusive Sklavenhandel. Die heutige historische Forschung zu Sklaverei-Gesellschaften (z.B. Cuba, Brasilien) tendiert dazu, die Sklaven stärker als Akteure mit eigenen Willen zu betrachten, deren Handeln eine Auswirkung auf die sich entwickelnden Gesellschaften hatten.
    Die hiesigen Afrika-Flüchtlinge, Wanderarbeiter in China, laotische Wanderarbeiter in Thailand haben durch ihre autonomen Entscheidungen eine Auswirkung auf uns.

  4. Sebastian

    Interessanter Aspekt, zumindest als Konsument hat man natürlich auch eine gewisse Macht bottom up, die Auswirkungen der Akteure können sich sicher zu enormen Kräften summieren. Kennt du ein konkretes Beispiel, wo diese Auswirkungen deutlich werden?

  5. Axel

    In jeder Hinsicht allein schon dadurch, dass sich die Transaktionskosten von einer geographisch verteilten Zusammenarbeit dramatisch gesenkt haben. Für einen indischen Kollegen in Bangalore, mit dem ich manchmal chatte, ist es sehr einfach eine Wäscherin UND eine Putzfrau zu finanzieren, weil die eben dort aus anderen Regionen einströmen. Die Aktivitäten der Migranten machen es Ravish möglich, einen höheren Lebensstandard bei gleichem Lohn zu erzielen. Nur den Konsumenten (wir) “bottom up”-Macht einzuräumen, greift imho ein wenig kurz.
    Die gewonnene Zeit verliert Ravish wiederum transportmässig mehr als verliert, weil das indische politische System zur Zeit nicht in der Lage ist, eine adäquate Infrastruktur bereitzustellen, was in China wiederum funktioniert. Mit der öffentlichen Infrastruktur klappt übrigens in Chile *bedeutend* besser als z.B. in deren nördlichen Nachbarland Peru. Aber das ist ein anderes wichtiges Thema.
    Aus meiner Sicht wird einfach oft ein bischen vernachlässigt, dass a) es große Unterschiede zwischen den Bedingungen von Akteuren in Schwellenländern gibt und b) wir sie emphatisch als Akteure betrachten sollten.
    Für eine Globalsteuerung ist sehr wenig Spielraum und das ganze läuft dezentral marktmässig ab. Es ist sehr dynamisch. Mit Wachstumsraten von 10% in China und 6% in der Slovakei verlieren die natürlich auch nicht gerade langsam ihre komparativen Kostenvorteile.

  6. Sebastian

    Ach so, darauf läuft es hinaus. Natürlich sind die Akteure in den Schwellenländern Akteure. Am Ende läuft doch trotz Konzernen und Staaten sowieso alles auf den einzelnen Menschen hinaus.

  7. Karl

    Axel, dann wäre das Endresultat ja mittelfristig wirtschaftliche Nivellierung querbeet wobei Investition in Bildung = Knowhow der wichtigste Differenzierungsfaktor würde.

    Ausnahme wären Länder die sich auf Rohstoffbasis finanzieren, solange diese nicht erschöpft sind. (Frage: Können sich in diesem hypothetischen Umfeld autoritäre Strukturen als gesellschaftliches Organisationssysstem halten?) Zum Recycling der Müllhalden und dessen Organisation braucht es dann wieder Knowhow.

  8. Matthias

    Ich finde, man sollte bei der Globalisierung ein bisschen vorsichtiger sein. In gewissen Gebieten finde ich eine Verflechtung der einzelnen Staaten für ganz sinnvoll, zB in der Wirtschaft.
    Unter Globalisierung versteht man jedoch eine Verflechtung in möglichst allen Gebieten, das sehe ich etwas problematisch.

  9. Axel

    Karl, ich find es sieht momentan für einen ziemlich weiten Kreis an Ländern nach einer gewissen Nivellierungstendenz aus. Aus meiner eigenen Erfahrung hab ich heute morgen mit einem Mann gechattet, der in Herzogenaurach einen extrem ähnlichen Job macht wie ich jetzt an einem Südhang vom Taunus oberhalb Frankfurts. Ich fahr heut abend nach Hause nach Köln. Er fliegt am Dienstag nach Hause nach Bangalore.
    Neben Bildung spielen sicher auch wissentransfer-steigernde Clusterbildung und die Kompetenz von Gesellschaft/pol. System Infrastrukturprojekte in Angriff zu nehmen.
    Gibt auch einige Rohstoff exportierende Länder, die recht erfolgreich in Bildung investieren und demokratisch sind.
    Das ist jetzt ein heikles Thema, aber gerade im Prozess des Aufbaus des Fundaments von marktwirtschaftlichen Strukturen hat es imho in der empirischen Wirklichkeit schon ein paar Entwicklungsdiktaturen gegeben (Chile, Süd-Korea).
    Gerade erfolgreiche Entwicklungsdiktaturen machen sich aber zum Glück irgendwann obsolet. Womit ich überhaupt nicht sagen will, dass Menschenrechtsverletzungen irgendwie entschuldbar werden und gerade für Chile ists gut dokumentiert und definitiv Horror. Zum Glück gibts heute in einigen lateinamerikanischen Ländern eine Linke mit einer wirtschaftspolitisch marktfreundlichen Haltung (Argentinien, Brasilien, Chile).

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