Zukunftsaussichten einzelner Länder
Man hört es immer wieder: Die Bildung entscheidet über die Zukunft eines Landes. Wie sieht denn dann die Zukunft aus?
Wie angekündigt, beschäftige ich mich heute wieder mit Statistiken.
Aus dem oben genannten Satz kann man die Bedeutung der Bildung erkennen. Es wird sich auf der Welt verändern, das merkt jeder. Die Globalisierung ist auch ein Wettstreit der Länder um Wohlstand.
Wie ergibt sich der Wohlstand eines Landes?
Der Wohlstand hängt in erster Linie von zwei Faktoren ab: Dem „Humankapital“ und Rohstoffen, insbesondere in Form von Bodenschätzen. Humankapital ist insbesondere die Qualifikation der Bevölkerung eines Landes.
Auf der einen Seite gibt es Länder wie z.B. Deutschland, die sich ohne Vorkommen an Bodenschätzen einen enormen Wohlstand erarbeitet haben. Dies ist nur mit gut qualifizierten Menschen möglich. Inder heutigen Zeit ist dazu auch ein hohes Bildungsniveau erforderlich.
Auf der anderen Seite gibt es Länder, wie z.B. die Golfstaaten, die ohne herausragendes „Humankapital“ durch Bodenschätze in Form von Öl einen enormen Reichtum erwerben konnten.
Bildung ist also nicht der einzige Bestimmungsfaktor für den Wohlstand einer Nation, aber ein ganz entscheidender. Gerade in Ländern, die nicht über Bodenschätze verfügen, lässt sich ein hoher Lebensstandard nur durch gut qualifizierte Arbeitskräfte halten.
Ich habe mir zwei Statistiken vorgenommen: Einerseits das pro Kopf Bruttoinlandsprodukt und andererseits das Bildungsniveau. Die Tabelle ist nach dem Bildungsniveau sortiert.
In der Tabelle lässt sich erkennen, dass die oben genannten Faktoren das Volkseinkommen wesentlich bestimmen.
Die heutige Bildung lässt auf die Zukunft schließen. Ein höheres Maß an Bildung führt nicht schlagartig zu mehr Wohlstand, sondern die Anpassung vollzieht sich langsam. Länder, die in dieser Liste oben stehen, haben also gute Chancen für die Zukunft.
Was fällt bei Betrachtung der Tabelle auf?
1. Deutschland (Platz 24) ist ungefähr in dem Bereich positioniert, in dem ich es erwartet habe. Nicht im Spitzenbereich, aber eine gute Position. Dennoch ist fraglich, ob es reicht, die jetzige Position zu halten. Viele andere Länder ziehen beim Bildungsniveau nach.
2. Japan (Platz 37) ist deutlich schlechter positioniert, als ich erwartet habe. Das lässt vermuten, das der hohe Lebensstandard dort nicht auf Dauer gehalten werden kann. Japan verfügt, wie Deutschland, nicht über wesentliche Bodenschätze.
3. China (Platz 94) und vor allem Indien (Platz 136) sind schlechter platziert als erwartet. Diese Länder holen vielleicht auf, aber noch haben sie keine Spitzenposition im Bildungsniveau erreicht. Gerade Indien wird oft wegen gut gebildetem Personal erwähnt. Dies kann aber nicht die Masse der Bevölkerung betreffen, da Indien einen der hinteren Plätze dieser Liste belegt.
4. Als Positivbeispiel sind die baltischen Staaten zu nennen. Sie belegen Platz 20, 21 und 27. Diese Staaten haben erkannt, dass sie kaum über Bodenschätze verfügen und setzen deshalb voll auf Bildung. In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaft dort schon sehr positiv entwickelt und es ist zu erwarten, dass dies auch so weitergeht.
Hier nun die Tabelle:
Land Bildungsniveau BIP pro Kopf 2004
Norwegen 0.99 54.465
Australien 0.99 31.690
Irland 0.99 44.644
Niederlande 0.99 35.560
Finnland 0.99 35.562
Dänemark 0.99 44.673
Neu Seeland 0.99 24.364
Island 0.98 41.893
Schweden 0.98 38.525
Belgien 0.98 33.807
Spanien 0.98 24.360
Korea 0.98 14.136
Slowenien 0.98 16.115
Kanada 0.97 30.586
USA 0.97 39.883
Frankreich 0.97 33.896
Großbritannien 0.97 35.485
Griechenland 0.97 18.560
Estland 0.97 8.331
Litauen 0.97 6.48
Österreich 0.96 35.766
Italien 0.96 29.143
Deutschland 0.96 33.212
Portugal 0.96 15.970
Barbados 0.96 10.401
Lettland 0.96 5.868
Kasachstan 0.96 2.717
Schweiz 0.95 48.385
Israel 0.95 17.194
Ungarn 0.95 9.962
Argentinien 0.95 3.988
Polen 0.95 6.346
Uruguay 0.95 3.842
Russland 0.95 4.042
Weißrussland 0.95 2.330
Japan 0.94 36.182
Luxemburg 0.94 70.295
Ukraine 0.94 1.366
Tschechei 0.93 10.475
Tonga 0.93 2.084
Slowakei 0.92 7.635
Saint Kitts and Nevis 0.92 8.447
Bulgarien 0.92 3.109
Kirgistan 0.92 433
Singapur 0.91 25.191
Zypern 0.91 18.668
Chile 0.91 5.836
Armenien 0.91 1.017
Georgien 0.91 1.151
Turkmenistan 0.91 1.294
Usbekistan 0.91 456
Mongolei 0.91 641
Kroatien 0.90 7.724
Rumänien 0.90 3.374
Samoa (Western) 0.90 2.042
Guyana 0.90 1.047
Tadschikistan 0.90 322
Saint Lucia 0.89 4.663
Philippinen 0.89 1.036
Aserbaidschan 0.89 1.026
Besetzte Palestinensiche Gebiete 0.89 1.026
Moldawien 0.89 615
Hong Kong 0.88 23.684
Seychellen 0.88 8.411
Trinidad und Tobago 0.88 9.640
Panama 0.88 4.325
Brasilien 0.88 3.284
Albanien 0.88 2.439
Grenada 0.88 4.135
Kuwait 0.87 22.654
Costa Rica 0.87 4.349
Bosnien und Herzegovina 0.87 2.183
Mazedonien 0.87 2.637
Venezuela 0.87 4.214
Peru 0.87 2.490
Fiji 0.87 3.125
Malediven 0.87 2.345
Bolivien 0.87 974
Malta 0.86 13.256
Bahrain 0.86 15.384
Bahamas 0.86 16.728
Mexiko 0.86 6.518
Libyen 0.86 5.073
Dominica 0.86 3.794
Kolombien 0.86 2.176
Thailand 0.86 2.539
Libanon 0.86 6.149
Ecuador 0.86 2.322
Jordanien 0.86 2.117
Paraguay 0.86 1.220
Qatar 0.85 27.857
Malaysia 0.84 4.753
China 0.84 1.490
Surinam 0.84 2.484
Dominikanische Republik 0.83 2.13
Indonesien 0.83 1.184
Mauritius 0.81 4.889
Türkei 0.81 4.221
Sri Lanka 0.81 1.033
Vietnam 0.81 550
Antigua 0.80 10.794
Südafrika 0.80 4.675
Jamaica 0.79 3.352
Namibia 0.79 2.843
Botswana 0.78 5.073
Oman 0.77 9.584
Honduras 0.77 1.046
Lesotho 0.77 730
Simbabwe 0.77 363
El Salvador 0.76 2.340
Tunisia 0.75 2.838
Iran 0.75 2.439
Nicaragua 0.75 847
Syrien 0.74 1.293
Cape Verde 0.73 1.915
Ägypten 0.73 1.085
Saudi Arabien 0.72 10.462
Kongo 0.72 1.118
Swaziland 0.72 2.140
Vereinigte Arabische Emirate 0.71 24.121
Algerien 0.71 2.616
Gabun 0.71 5.306
Kambodscha 0.69 354
Kenia 0.69 481
Guatemala 0.68 2.233
Uganda 0.67 245
Laos 0.66 423
Madagaskar 0.66 241
Kamerun 0.66 897
Malawi 0.64 149
Ost-Timor 0.63 367
Nigeria 0.63 560
Sambia 0.63 471
Tansania 0.62 288
Indien 0.61 640
Ruanda 0.61 208
Marokko 0.54 1.678
Ghana 0.54 409
Togo 0.54 344
Kongo 0.54 119
Sudan 0.53 594
Angola 0.53 1.258
Papua Neu Guinea 0.52 677
Dschibuti 0.52 851
Burundi 0.52 90
Nepal 0.51 252
Jemen 0.51 631
Haiti 0.50 420
Eritrea 0.50 219
Mauritanien 0.49 515
Bhutan 0.48 751
Mosambique 0.47 313
Pakistan 0.46 632
Bangladesch 0.46 406
Elfenbeinküste 0.46 866
Sierra Leone 0.45 202
Gambia 0.42 281
Benin 0.40 498
Äthiopien 0.40 114
Senegal 0.39 683
Guinea 0.34 421
Chad 0.29 447
Niger 0.26 228
Mali 0.24 371
Burkina Faso 0.23 376
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am 11. Juli 2007 um 12:29 pm Uhr.
Wenn euch was auffällt, was ich vergessen habe, dann einfach kommentieren!
Schöne Grüße
Sebastian
am 11. Juli 2007 um 3:01 pm Uhr.
Danke Sebastian, das kontrastiert das gängige Bild gerade der asiatischen Länder recht stark. Daß Deutschland (immer noch?) auf Platz 21 in der Bildung liegt, überrascht mich. Leider fand ich auch in der Quelle keine Angabe, von wann die Erhebung ist. Hast du dazu mehr gefunden?
am 11. Juli 2007 um 3:03 pm Uhr.
Argh! Studie ist von 2006 - steht ja doch da. Hab’s gerade erst entdeckt
am 11. Juli 2007 um 4:41 pm Uhr.
Die Daten des BIP sind von 2004, der Rest von 2006.
am 12. Juli 2007 um 10:38 am Uhr.
Schöne Sache - interessant ist doch auch eine dynamische Darstellung, sprich: wie hat sich das in den letzten Jahren entwickelt.
Tendenzen für ein paar Staaten darstellen - fördert auch die Übersichtlichkeit.
Sehr interessanter Beitrag.
am 12. Juli 2007 um 11:53 am Uhr.
Danke für den Hinweis. Werde ich mir bald mal genauer vornehmen.
am 12. Juli 2007 um 7:50 pm Uhr.
Thema Bildung. Wenn wir die Strukturen der Wirtschaft auf den Bildungsbereich in Deutschland übertragen -insbesondere Arbeitszeit- und Urlaubsregelung sowie die fehlende Verbeamtung mit ihren demografisch unangepaßten Pension- und Frühpensionierungsregelungen- dann könnten wir erhebliche Rationalisierungsreserven ausschöpfen und die Klassen sicher 40% kleiner für besseren Lernerfolg machen. Aber wer schneidet die alten Zöpfe ab? Trotz Pisa.
Sicher hat der Mathelehrer einen schweren Job und korrigiert in seiner freien Zeit, aber Musik und Kunst haben die gleichen Privilegien.
Vor einigen Jahren fand bei uns mal eine Aktion “gläserne Schule” statt. Das geschieht nie wieder weil die Öffentlichkeit erkannte was da wirklich abläuft.
Oder warum gehen so viele Lehrer in die zeitaufwändige Politik. Wer kann das noch neben seinem Hauptberuf? Zitat eines deutschen Landtagspräsidenten: “Das Parlament ist mal voller und mal leerer, aber meistens voller Lehrer”.
am 13. Juli 2007 um 6:45 am Uhr.
Es ist eher die Ausnahme als die Regel, dass die Lehrer wenig tun. Da täuscht du dich gewaltig. Ich kenne einige Lehrer, die mit 50 h pro Woche nicht hinkommen.
Da gibt es wirklich mehr zu tun. Das ganze System ist nicht an die heutigen Anforderungen angepasst, sondern auf dem Stand von 1950.
am 13. Juli 2007 um 11:01 am Uhr.
Sebastian, ich sehe das eher umgekehrt. Ich streite nicht ab dass es motivierte Lehrer gibt die hart arbeiten. Für die Masse gilt das meiner Meinung nach nicht. Höchstens in den Ferien.
am 13. Juli 2007 um 3:57 pm Uhr.
Ich kenne viele Lehrer: Natürlich haben sie Ferien, aber dan Job möchte ich nicht machen. Auch in den Ferien arbeiten einige von denen an Vorbereitung etc.
am 13. Juli 2007 um 6:43 pm Uhr.
Ich möchte den Job auch nicht machen, meiner ist mir lieber obwohl ich sehr viel länger arbeiten muss. Aber das ist doch keine Begründung wenn ich an die vielen Arbeitslosen denke die jeden Job übernehmen würden. Was soll denn jemand sagen der
Drogensüchtige betreut, am Hochofen arbeitet oder Klärgruben reinigt? Und wieviel Berufe gibt es noch die die gleichen Ansprüche stellen könnten weil sie schwer und manchmal unangenehm sind?
Und warum möchten wir den Job nicht machen? Hat das etwa erwas mit Disziplinlosigkeit oder Antiautorität zu tun? Die Arbeit mit Kindern ist doch an sich etwas Schönes.
Ich habe mal jemand gefragt warum sie Pädagogik studiert. Antwort: Es ist das kürzeste Studium im Verhältnis zum Einkommen. Die GEW sorgt schon dafür. Eine Stunde mehr und die Vielbeschäftigten füllen trotz Zeitmangel seitenlang die Zeitung mit Leserbriefen.
am 14. Juli 2007 um 3:53 pm Uhr.
Gibt es zu den Zahlen eine EXEL-Tabelle damit man mal ein Scatterdiagramm und eine Resultierende machen kann. Vielleicht ist das ganz instruktiv?
am 14. Juli 2007 um 8:22 pm Uhr.
Ja, auf der Seite mit den Statistiken gibt es alle Daten als Excel-Tabelle zum Download.
am 11. Februar 2009 um 9:01 pm Uhr.
genialen eintrag. man hätte nur als tabelle die daten eintragen können. wobei mit explorer sieht besser aus, beim mir. weisn sicht warum. paraguay, mein land, hat mich überrascht.
am 12. November 2009 um 9:01 pm Uhr.
@Sebastian: Auch ich möchte meinen Urlaub nicht mit den Ferien einiger Lehrer tauschen. Ich denke auch viele arbeiten gerade in den Ferien an der Vorbereitung für den Anschluss.