Die Ungleichverteilung des Einkommens

Ich bin auf eine Seite gestoßen, die voller interessanter Statistiken steckt. http://hdr.undp.org/hdr2006/statistics/indicators/ 

Ich werde in Zukunft öfter mal die eine oder andere davon etwas näher betrachten.
Den Anfang möchte ich mit der Ungleichverteilung des Einkommens machen.
Bei vielen positiven Meldungen zum Wirtschaftswachstum muss man bedenken, dass diese Zahl alleine nicht immer eine Aussage über die Verhältnisse im Land zulässt. Eventuell profitieren von dem Wirtschaftswachstum nur wenige an der Spitze. Die Armut wird dann nicht vermindert.
Die folgende Tabelle schlüsselt die Verteilung des Einkommens auf. Die Zahl gibt an, um welchen Faktor die reichsten 10% des Landes mehr verdienen als die ärmsten 10%. Die Werte gehen von 3,3 bis deutlich über 100. Eine Aussage über die Höhe des Einkommens wird mit dieser Statistik nicht getroffen.
Meiner persönlichen Meinung nach ist alles bis 10 noch irgendwie vertretbar. Schließlich muss es gewisse Leistungsanreize geben.
Wichtig ist, dass auch die unteren 10% ein würdiges Leben führen können. Dies ist gerade in den Ländern mit einem hohen Wert in dieser Liste nicht der Fall.
Wir Deutschen stehen mit 6,9 eigentlich ganz gut da und belegen damit den 20. Platz der Tabelle.

Aserbaidschan 3,3
Japan 4,5
Tschechische Republik 5,2
Bosnien Herzegovina 5,4
Ungarn 5,5
Finnland 5,6
Ruanda 5,8
Slowenien 5,9
Albanien 5,9
Ukraine 5,9
Norwegen 6,1
Usbekistan 6,1
Schweden 6,2
Kirgistan 6,4
Pakistan 6,5
Äthiopien 6,6
Slowakei 6,7
Bangladesch 6,8
Österreich 6,9
Deutschland 6,9
Weißrussland 6,9
Bulgarien 7
Kroatien 7,3
Indien 7,3
Rumänien 7,5
Korea 7,8
Indonesien 7,8
Tadschikistan 7,8
Armenien 8
Ägypten 8
Dänemark 8,1
Sri Lanka 8,1
Belgien 8,2
Moldawien 8,2
Laos 8,3
Kasachstan 8,5
Jemen 8,6
Polen 8,8
Schweiz 9
Frankreich 9,1
Niederlande 9,2
Tansania 9,2
Irland 9,4
Kanada 9,4
Vietnam 9,4
Benin 9,4
Algerien 9,6
Griechenland 10,2
Spanien 10,3
Litauen 10,4
Estland 10,8
Jordanien 11,3
Jamaika 11,4
Italien 11,6
Lettland 11,6
Kambodscha 11,6
Burkina Faso 11,6
Marokko 11,7
Mauritanien 12
Turkmenistan 12,3
Guinea 12,3
Australien 12,5
Neu Seeland 12,5
Mazedonien 12,5
Mosambique 12,5
Thailand 12,6
Russland 12,7
Senegal 12,8
Israel 13,4
Tunesien 13,4
Kenia 13,6
Großbritannien 13,8
Zambia 13,9
Ghana 14,1
Trinidad und Tobago 14,4
Uganda 14,9
Portugal 15
Georgien 15,4
Nicaragua 15,5
Kamerun 15,7
Nepal 15,8
USA 15,9
Philippinen 16,5
Elfenbeinküste 16,6
Türkei 16,8
Iran 17,2
Singapur 17,7
Hong Kong 17,8
Mongolei 17,8
Nigeria 17,8
Uruguay 17,9
China 18,4
Madagaskar 19,2
Burundi 19,3
Gambia 20,2
Venezuela 20,4
Simbabwe 22
Malaysia 22,1
Malawi 22,7
Mali 23,1
Papua Neu Guinea 23,8
Mexiko 24,6
Costa Rica 30
Dominikanische Republik 30
Südafrika 33,1
Honduras 34,2
Argentinien 34,5
Peru 40,5
Chile 40,6
Ecuador 44,9
Niger 46
Guatemala 48,2
Swaziland 49,7
Panama 54,7
El Salvador 57,5
Brasilien 57,8
Kolumbien 63,8
Haiti 71,7
Paraguay 73,4
Botswana 77,6
Sierra Leone 87,2
Lesotho 105
Namibia 128,8
Bolivien 168,1

Quelle:
http://hdr.undp.org/hdr2006/statistics/indicators/145.html

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10 Kommentare zu “Die Ungleichverteilung des Einkommens”

  1. Karl

    Hallo Sebastian,

    solange Kinderkriegen in armen Ländern die Sozialversicherung ersetzt und das Geld für Bildung für aus dem reichen Teil der Welt stammende Konsum-Leitbilder verbraucht wird, bei einer globalisierten weiss-roten Getränkemarke im Centbereich angefangen, da sieht jeder zu was er kriegen kann wenn er einen kleinen Knowhow-Vorsprung hat.

    Aber auch im von Dir gelobten Deutschland findet eine ständige Neiddiskussion statt für die der Begriff der “Besserverdienenden”, um Leuten wie Lafontaine und Anderen in der Politik den Job zu erhalten, geschaffen wurde. Unterpriveligiert ist man immer wenn man weniger hat als jemand anders und sei es eine 300 Fuss Yacht.

    Dies Differntial ist der Schwungriemen auf dem machtgeile Leute versuchen Karriere zu machen. Selbst im wieder deutschen Osten mit den Milliardeninvestitionen wählen fast 30% die alte SED in neuem Gewand, trotz aller Menschenrechtsverbrechen der Vergangenheit. sie nimmt ihnen das Denken ab und bietet einfache Lösungen: nehmt es Sebastian weg, der hat genug, ich helfe euch dabei wenn ihr mich wählt.

    Gerade habe ich ein Zitat von Helmut Schmidt gelesen, etwa so: Das was heute als Armut bezeichnet wird hätten wir früher gern als Reichtum gehabt.

    Und dann fahren die Leute in die armen Länder und halten für Folklore was nackte Verzweiflung ist. Die Subsistenz der auf der Strasse Schlafenden wird beäugt wie im Zoo und relativ dazu die deutsche Tüchtigkeit daran gemessen.

    Und mach Dir nichts vor, auch die NGO’s und die GTZ bieten Karrieren, Reisen und anderes und jede bewacht eifersüchtig ihr Feld statt zu rationalisieren und die Kräfte zu bündeln. Auskunft über Verwaltungs- und Werbekosten oder GF-Gehälter bekommst Du kaum, versuch es mal.

    Zum Teil wird von den gleichen Institutionen gesammelt die wegen ihrer Gegnerschaft zur Empfängnisverhütung die Misere mit zu verantworten haben.

    Gruss Karl

  2. Sebastian

    Das Zitat finde ich gut, es ist natürlich richtig. Wenn man Menschen in armen Ländern erzählt, was man hier an Sozialleistungen bekommt, denken die, Deutschland ist eine Art Schlaraffenland.

  3. Sebastian

    Dem Hieb gegen die Kirche stimme ich voll zu. ;)

  4. Meudalherr

    Hallo Karl,

    Sie sprechen von »Neiddiskussion«. Tatsächlich ist aber die Diskussion über die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland keine Neiddiskussion, sondern eine Diskussion über soziale Gerechtigkeit. Deutschland ist nach Art. 20 Grundgesetz ein Sozialstaat. Und in Art. 14 Abs. 2 Grundgesetz ist die Sozialbindung des Eigentums festgeschrieben. Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern mit Verteilungsgerechtigkeit. Es geht um Gerechtigkeit, nicht um Neid.

    Es stimmt, dass im Osten Deutschlands Milliardeninvestitionen getätigt wurden. Aber von den ganz Milliarden haben doch die normalen Bürger nichts gesehen. Kein Wunder, wenn die Leute dort die SED-Nachfolgepartei wählen.

  5. Globalisierungsblog » Zukunftsaussichten einzelner Länder

    [...] angekündigt, beschäftige ich mich heute wieder mit [...]

  6. Götz Kluge

    Es ist erstaunlich, wieviele Ungleichverteilungsmaße sich die Ökonometriker ausgedacht haben. Philip B. Coulter (Measuring Inequality, 1989, ISBN 0-8133-7726-9) listet in seinem Buch etwa 50 solcher Maße auf. In http://www.umverteilung.de habe ich die wichtigsten aufgelistet (kleine Formelsammlung). Die Seite führt auch zu einem On-Line-Rechner für Statistiker.

  7. Sebastian

    Hallo,
    obwohl ich eigentlich was Mathe angeht ziemlich fit bin, schreckt mich das auf den ersten Blick ab. Vielleicht sollten da noch Beispiele mit dazu.

  8. Götz Kluge

    In http://www.umverteilung.de/oei/ sind die Berechnung verschiedener Ungleichverteilungsmaße als Python-Skript implementiert. Darunter sind auch die wichtigsten Definitionen aus Amartya Sens “On Econnomic Inequality”.

    Und http://de.wikipedia.org/wiki/Ungleichverteilungsma%C3%9Fe ist ein Artikel, in dem Formeln nur in einem Spreadheet stehen.

  9. Götz Kluge

    Zum Thema Neiddiskussion: Ich glaube, man kann die Frage, wie hoch der “richtige” Grad z.B. der Ungleichverteilung von Einkommen sein soll. nicht so einfach beantworten. Aber man kann vermuten und nicht-normativ beschreiben, welcher Grad der Ungleichverteilung mit welchen Konsequenzen verbunden ist.

    Über http://www.ethikrat.de/archives/123 (mein Blog) kommt man mit dem Link unter “Überlegungen zum Theil-Index und zur Hoover-Ungleichverteilung” zu einem Wikipedia-Artikel, in dem ich ein bisschen auf die *Bedeutung* zweier Ungleichverteilungsmaße einging. (Ich hatte das aber dann wieder rausgenommen, weil es vielleicht doch zu sehr Theoriefindung ist. Vielleicht ist der Text aber ein nicht so schlechter Ansatz fúr weitere Überlegungen.)

    Im Zusammenhang damit habe ich einen “Neidfaktor”ausgeheckt: http://www.umverteilung.de/rechner/Neidfaktor.htm
    Ob da aber tatsächlich was dran ist, müsste man empirisch stützen. Vielleicht gibt es dafür Studenten, die das interessiert.

    Wie man sich Ungleichverteilungsmaßen empirisch nähert, wird in Y.Amiels “Thinking about inequality” (1999, ISBN 0-521-46696-2) ganz gut vorgeführt.

    Übrigens, zum Unterthema “Managergehälter”: Der Streit um die Höhe dieser Gehälter lenkt vom eigentlichen Problem ab: Die Kriterien, nach denen sich diese Gehälter bemessen. Die enigeführte Pflicht zur Veröffentlichung der Einkommen von Top-Managern hatte außerdem einen unvorhergesehenen Effekt: Auch diese menschen sind nur Menschen und daher eitel. Darum entstand durch die Pflicht zur Veröffentlichung der Gehälter Druck auf Manager, im Vergleich zu anderen Managern nicht schlecht dazustehen. Das führte die Veröffentlichung zu Angleichung deutscher Managergehälter an den “global üblichen” Level. Information ist eine der Voraussetzungen für “Neid”, der nun Futter bekam. Die Alpha-Männchen (Frauchen gibt es da eher selten), die üblicherweise in den Top-Etagen sitzen, lässt das Einkommen der andern Alphas vielleicht sogar weniger kalt, als das bei den gemeinen Mitarbeitern der Fall ist. Das war vermutlich nicht ganz die Absicht der Veröffentlichungspflicht.

  10. Goetz Kluge

    http://www.umverteilung.de lasse ich nun weitgehend in Ruhe. Updates kommen in http://blog.umverteilung.de rein.

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