Bank des Südens ( Banco del Sur )
In Südamerika wird eine Alternative zu IWF und Weltbank gegründet. Insbesondere Venezuela ist aktiv an der Schaffung der neuen „Bank des Südens“ beteiligt, auch der Sitz der Bank soll in Caracas sein. Die anderen Mitgliedsländer sind: Argentinien, Brasilien, Bolivien, Ecuador und Paraguay. Zunächst soll die Banks wirtschaftliche Entwicklung der Mitgliedsländer der UNASUR fördern.
Langfristig ist das Ziel, die Bank des Südens auch auf andere Länder in Afrika und Asien auszudehnen.
Das Startkapital der Bank des Südens beträgt 7 Milliarden Dollar. Die Reserven werden überaschenderweise in US-Dollar angelegt.
Die offizielle Gründung der Bank des Südens soll bei einem Gipfeltreffen der Staatschefs am 28. Juni in Paraguay stattfinden.
Ich halte es für einen wichtigen Schritt, den Institutionen IWF und Weltbank Konkurrenz zu machen.
Diese Institutionen werden deutlich von den USA dominiert, was in der Vergangenheit oft dazu führte, dass nicht im Interesse der Entwicklungsländer gehandelt wurde.
Die Weltbank ist insgesamt etwas pragmatischer als der IWF, aber auch die Weltbank wird von den USA dominiert.
Die Schaffung von Alternativen zu IWF und Weltbank kann dazu führen, dass sich auch diese auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen.
Das Ziel muss es sein, Lösungen zu finden, die den Problemen angepasst sind. Die totale Liberalisierung der Märkte ist kein Allheilmittel, sondern war bisher in den meisten Fällen nicht von Erfolg gekrönt.
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am 29. Juni 2007 um 8:17 pm Uhr.
Fragt sich aber inwieweit diese Aktion nicht mehr einer gewissen Liebe zu dramatischen Knalleffekten als dem Aufbau nachhaltiger Strukturen geschuldet ist. Die Regierungen aller beteiligter Länder gehören auf verschiedene Art der Linken an. Diese Regierungen können die Latino-Bank gegenüber ihrer Wählerschaft propagandistisch ausschlachten. Chile beteiligt sich - trotz einer von der Sozialistischen Partei angeführten Koalitionsregierung - nicht. Ist vielleicht auch nicht so interessant, wenn man einfacherweise eine Staatsverschuldung hat, die gegen 0 tendiert Nicht die Neuverschuldung, die Gesamtverschuldung der öffentlichen Haushalte tendiert gegen 0.
Chavéz kann hier den Ché Guevara 2.0 geben und im eigenen Land gibts trotz sprudelnder Erdöleinkünfte genug Probleme. In anderen Integrationsbemühungen zeigt dieser Herr wesentlich weniger Interesse an partnerschaftlicher Integration. Im Andenpakt blockiert er, weil er die dort mehrheitlich vorbereitete Freihandelszone mit den USA ablehnt. Chile verfolgt seit Jahren erfolgreich eine Politik bilateraler Handelsverträge, gerade auch im Hinblick auf eine Diversifizierung des Exports, die vielleicht wiederum einem Erdölexporteur als nicht so wichtig erscheint. Auch auf Bemühungen verstärkter Integration der Energiemärkte (Erdgaspipelines) reagiert Chavéz eher desinteressiert, obwohl Venezuela total viel Erdgas besitzt.
Südamerika entwickelt sich seit ca. 5 Jahren auch auf Grund von gestiegenen Rohstoffpreisen auf den Weltmärkten sehr positiv. Die durchschnittliche Wachstumsrate liegt bei ca. 5%. Dies hat in Chile und Argentinien zu einer massiven Senkung der Arbeitslosenquote geführt (Chile: 6.7%). Nicht nur nach meiner Ansicht führt die mehr marktwirtschaftlich orientierte Struktur der Wirtschaft dazu, dass das Geld auch in sinnvolle Bereiche investiert wird (Infrastruktur, Agro-Modernisierung). Die oft wirtschaftspolitisch pragmatischen linken Regierungen (Brasilien, Argentinien, Chile) sorgen ausserdem dafür, dass die Probleme der Armen auch teilweise wirklich ernstgenommen werden, ohne daß man irgendwelchen markt-feindlichen Master-Plänen folgt.
Aus meiner Sicht existieren interessantere Initiativen als die großschuhigen von Herrn Chavéz.
Gruß Axel
am 30. Juni 2007 um 9:49 am Uhr.
Danke für diesen langen und interessanten Kommentar. Ich denke, dass du in den meisten Punkten recht hast. Dennoch ist es meiner Meinung nach begrüßenswert, dass Alternativen zu IWF und Weltbank geschaffen werden.
Dass dies letzlich ein machtpolitisches Instrument der linken Staatslenker sein wird, ist klar. IWF und Weltbank sind aber letztlich auch oft genug missbraucht worden.
Ich denke das wirklich gute daran ist, dass jetzt etwas Konkurrenzdruck auf den IWF herrscht.
am 30. Juni 2007 um 5:58 pm Uhr.
Sebastian, ich sehe das überhaupt nicht als “Machtinstrument” sondern als Papiertieger oder besser gesagt Papierpuma. Laut der deutlich eher linken Zeitung Página12, Buenos Aires, können die sich noch nicht mal darauf einigen, dass jeder 500 Mio Dollar einzahlt. Das macht 4 bis 5 Milliarden Dollar insgesamt. Das ist für eine sich halbwegs selbstrespektierende lateinamerikanische Finanzkrise völlig zu wenig. Brasilien und einige mehr orthodoxe Kreise lehnen die Konvertierung in einen Währungsfond ab, da sie fürchten, dass sie damit für deficit spending von anderen Regierungen aufkommen müssen. Die linke brasilianische Regierung argumentiert also nicht viel anders als der IWF bevor die überhaupt gestartet sind. Paraguay und Uruguay wollen mehr Hilfe, aber Brasilien und Argentinien haben bereits angekündigt, dass sie auf Grund eigener Probleme nicht die Rolle von Frankreich oder Deutschland in der EU übernehmen können. In Argentinien hat die Rechte vor 2 Wochen oder so bei Bürgermeisterwahlen stark gewonnen.
Es ist wesentlich einfacher IWF und Weltbank zu kritisieren als sie zu ersetzen. Die lateinamerikanische Geschichte ist voll von Solidaritäts-Institutionen, die dann aber letztlich nicht funktioniert haben.
am 30. Juni 2007 um 8:02 pm Uhr.
Es ist ja oft so, dass viel Wind um wenig Substanz gemacht wird. Ich denke auch, dass die Summe, die da zusammenkommt, nicht reicht, große Krisen zu verhindern.
Wir werden ja sehen, wie sich das Ganze entwickeln wird. Ich hoffe halt nur, dass es auch positive Folgen hat.
am 4. Juli 2007 um 6:57 am Uhr.
Ich finde den Kommentar von Axel recht aufschlussreich. Bisher war ich mangels Grundlagen nicht in der Lage mir eine Meinung zu bilden.
am 4. Juli 2007 um 6:14 pm Uhr.
Ja, jeder ist sich selbst am nächsten. Man darf aber nicht vergessen, dass der IWF viele Fehler gemacht hat und immernoch macht. Eine Konkurrenz, wenn auch nicht ausgereift, tut gut.