Anmerkungen und Literatur

Dies ist ein Teil des Gastartikels von Josef Bordat. (Hier geht es zum Beginn des Textes.)

Anmerkungen
[1] Hirst / Thompson nennen die vollständig globalisierte Welt einen „idealisierten Zustand“, den sie als Referenzmaßstab setzen (1996, 10), während Beck für diesen idealisierten Zustand eines abgeschlossenen Globalisierungsprozesses den Begriff „Globalität“ verwendet (1997, 29).
[2] Der Begriff „modernes Weltsystem“ verweist auf die Theorie Immanuel Wallersteins, der es sich zum Ziel gesetzt hat, ausgehend vom 16. Jahrhundert in einer „Weltsystemanalyse“ eine historische Erklärung der neuzeitlichen Globalisierungsentwicklung zu leisten.
[3] Bairoch weist darauf hin, dass der Exportanteil vom gesamten Bruttoinlandsprodukt der USA um 1890 so hoch lag wie erst wieder in den 1990er Jahren, nämlich 6,7 % (1890) und 7,5 % (1992), während er in der Zwischenzeit bei etwa 3-5 % lag (1996, 179).
[4] Ich meine damit den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg.
[5] Ralf Dahrendorf schrieb damals in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“, dass mit Neil Armstrongs Schritt auf den Mond am 20.7.1969 die Einheit der Welt aus der neu gewonnenen kosmischen Perspektive erstmals als universelles Prinzip unmittelbar erfahrbar wurde und diese Erfahrung ein Bewusstsein prägte, das die Globalisierung hervorrief (vgl. Köpf 1998, 11). Dies wird gestützt von der planetaristischen Auffassung der Globalisierung, wie sie sich bei Zarifian zeigt, der auf die Einheit der Welt und damit den Gedanken des hen kai pan („ein und alles“) in der griechischen Philosophie (Heraklit: „Aus allem eins und aus Einem alles.“, zit. nach Diels / Kranz 1952, 10 [Fragment 12 B]) verweist: „Die Globalisierung [...] entspricht jenem Satellitenblick auf den Globus, den die Bosse der Großunternehmen begründet haben. [...] Von oben gesehen, erscheint die Erde als eine: Nationen, Staaten, Grenzen, Regelungen, Volkscharakter, Rassen, politische Regimes, alles verfließt ineinander, ohne doch zu verschwinden. [...] Der große Traum vom All-Einen, der die platonische Philosophie umgetrieben hat, ist endlich verwirklicht. Das All-Eine ist das Hoheitsgebiet des zeitgenössischen Kapitalismus.“ (1999, 3).
[6] Die völkerrechtlichen Konsequenzen dieses Paradigmenwechsels sind immens und können hier nur für den Problembereich der „humanitären Interventionen“ kurz angedeutet werden: Betrachtet man das Individuum – „entgegen früherer Auffassung“ (Doehring 2004, 448) - als Völkerrechtssubjekt, dann kann ihm Beistand in Notwehrlagen gemäß Art. 51 der UN-Charta, der das „naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung“ gegen Art. 2, 4 (Gewaltverbot) schützt, nicht verwehrt werden, wenn es sie verlangt, was Interventionen im Fall von Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des geltenden Völkerrechts möglich macht; auch Art. 2, 7 (Nichteinmischung) böte dem Menschenrechtsverletzer keinen Schutz mehr, da die Intervention unter die Ausnahme-Klausel des Art. 2, 7 fiel: „ [...] die Anwendung von Zwangsmaßnahmen nach Kapitel VII wird durch diesen Grundsatz nicht berührt.“. Fraglich ist, ob diese Vorstellung nicht zu weit geht, denn dann könnten etwa reiche Privatpersonen mit Staaten völkerrechtliche Verträge abschließen (von Völkerrechtssubjekt zu Völkerrechtssubjekt), um sich so die Hilfe der Armee des Landes zu sichern, die sie im Falle einer Entführung o. ä. befreien müsste. Die mittelalterliche Personalsouveränität wäre damit wieder eingesetzt. Es zeigt sich, dass die unmittelbare Völkerrechtssubjektivität (und nur um die geht es hier) problematische Konsequenzen hat.
[7] Ein Phänomen, das Ulrich Beck mit dem Begriff „Containertheorie“ beschreibt (1997, 49).
[8] Leopold Mozart musste mit seinem Sohn Wolfgang Amadeus auf lange, beschwerliche Reisen gehen, um dessen musikalisches Genie in Europa bekannt zu machen. Die Väter heutiger Nachwuchsmusiker verschicken eine MP3-Datei als E-Mail-Anhang an die einschlägigen Unternehmen der Branche.
[9] Der Begriff „global village“ stammt Herbert Marshall McLuhan, der – zusammen mit dem US-amerikanischen Experten für „Probleme des Kommunismus“ an der Universität Columbia, Zbigniew Brzezinski - auch den Begriff „globalization“ prägte (vgl. Ziegler 2003, 29).
[10] Die 1998 in Frankreich gegründete Association pour une taxation des transactions financières pour l’aide aux citoyens („Attac“) ist ein Netzwerk globalisierungskritischer Gruppen, das ursprünglich das Ziel verfolgte, eine Devisentransaktionssteuer zur Stabilisierung der Finanzmärkte und zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten zu fordern, mittlerweile aber darüber hinaus mit etwa 100.000 Mitgliedern in rund 50 Ländern über Zusammenhänge und Folgen der Globalisierung aufklärt.
[11] Das TINA-Argument („There is no alternative.“) von Margret Thatcher wurde zu Beginn der 1980er Jahre zum Grundsatz der neoliberalen Neuausrichtung der Volkswirtschaft in Großbritannien, den USA (unter Präsident Ronald Reagan) und auch im Deutschland der „Wende“ (Helmut Kohl).
[12] Dabei darf der Markt den Menschen kein Diktat aufzwingen, bei dem „mit erhöhtem Druck alles infrage [gestellt wird], was in den Preis einfließt: Löhne, Sicherheitsstandards, Umweltauflagen, Sozialleistungen“ (Kubjeweit 2004, 60 f.), sondern muss ihnen dienen.
[13] Gil verwendet diesen Begriff in Anlehnung an Helmut Willke, der den Supervisionsstaat als distanzierten, sich selbst beschränkenden, bescheidenen, „ironischen“ Staat auffasst.
[14] So die zugespitzte Diagnose Roman Stögers für den „neoliberalen Staat“, dessen Sinn noch einzig darin besteht, den „Staatsanteil [...] zurückzubauen“, und zwar „durch Privatisierung, durch Fremdbezug staatlicher Leistungen und [...] durch Rückzug des Staates auf zu definierende Kernaufgaben.“ (1997, 209).
[15] Der Außenhandel der Industrienationen findet im wesentlichen (zu etwa 80 %) innerhalb der Gruppe der größten Wirtschaftsräume der Nordhalbkugel statt (USA-EU-Japan). Eine Beteiligung der Entwicklungsländer – abgesehen von Rohstofflieferungen und Billigproduktion – ist (noch) nicht zu verzeichnen. Beck schließt daraus im übrigen, dass wir es wirtschaftlich (noch) mit Internationalisierung, nicht mit Globalisierung zu tun haben (1997, 200).
[16] In diesem Zusammenhang sei auf die bekannte Globalisierungsgegnerin Naomi Klein verwiesen, die mit ihrem Buch No Logo! auf die Zusammenhänge zwischen billiger Produktion in der Dritten Welt und teurer Vermarktung in der Ersten Welt verweist und die eindrücklich die strukturelle Unfairness des „freien“ Handels herausstellt.

Literatur
Bairoch, P.
Globalization Myths and Reality: One Century of External Trade and Foreign Investment. In: Boyer, R. / Drache, D. (Hrsg.): States Against Markets. The Limits of Globalization. London / New York 1996, S. 173 ff.
Barber, B.
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Beck, U.
Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus, Antworten auf Globalisierung. Frankfurt a. M. 2. Aufl.1997.
Einleitung. In: Ders.: Politik der Globalisierung. Frankfurt a. M. 1998.
Zitat zur Globalisierung. Im Internet: http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/SS99/global/ zitate.html (abgerufen am 02.02.2006).
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Staatsaufgaben. Zur Legitimation politischer Herrschaft. Berlin 2003.
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No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht. Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. Pößneck 2001.
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Ein Plädoyer für die Intoleranz. Wien 1998.

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