Der globalisierte Arbeitsmarkt

Heute sind mir fast zeitgleich zwei Artikel aufgefallen, die in Zusamenhang stehen. Der erste ist ein Bericht im Spiegel über den Fachkräftemangel in Deutschland und der zweite in der FTD über die Chancen der Kinder von Arbeitern. (zum Artikel)

Es wird bei der Lektüre deutlich:

1.Die Globalisierung betrifft auch den Arbeitsmarkt. Die Firmen möchten gerne aus dem Ausland Fachkräfte anstellen. Die jetzige Grenze bei einem Gehalt von 85.500 € Jahresgehalt ist viel zu hoch. Ohne die Arbeitskräfte kann die deutsche Wirtschaft ihr Potential nicht ausschöpfen. An jeden hochqualifizierten Arbeitsplatz hängen auch weniger qualifizierte. Es ist also nicht so, dass die Ausländer Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen würden. Im Gegenteil; wenn die Arbeitgeber hier nicht die nötigen Arbeitnehmer finden, dann wird im schlimmsten Fall die gesamte Produktion ins Ausland verlegt.

2. Dieses Problem ist hausgemacht. Es kann nicht die Rede sein von Chancengleichheit in Deutschland. Hier ist der Staat gefragt. (nicht bei Mindestlöhnen etc.) Eine gerechte Bildungspolitik von Anfang an ist im Sinne aller. Die schlecht qualifizierten Deutschen finden keinen Job und kosten den Staat viel Geld und die Hochqualifizierten müssen aus dem Ausland ”importiert” werden. Das wäre nicht nötig, wenn in der Bildung mehr Geld ausgegeben würde.  

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5 Kommentare zu “Der globalisierte Arbeitsmarkt”

  1. Bernd

    “Ohne die Arbeitskräfte kann die deutsche Wirtschaft ihr Potential nicht ausschöpfen.” Ja, richtig! Zur Leistungserbringung benötigt man direkte und indirekte Mitarbeiter, ebenso das Firmenumfeld, solche Firmen und Dienstleistungen, die nicht zur Kernkompetenz einer Firma gehören. Dass in Deutschland es oft wenig attraktiv zu sein scheint, dass Arbeitslose arbeiten und statt dessen es vorziehen, H4 zu machen, leider. Ist das vielleicht eine Art Übergangsproblem im Zuge der Einkommensanpassungen?

    “An jeden hochqualifizierten Arbeitsplatz hängen auch weniger qualifizierte.” Das mag ja im einelfall so sein, aber der quantitative Nachweis fehlt.

    Ein anderes Problem wird hier nicht angesprochen: aus einem IQ 90- Mann oder einer IQ 90- Frau kann man keinen IQ 120 Menschen auch durch noch so gute Bildung machen. Es ist für mich die Frage, gehen wir über derartige natürliche Gesetzmäßigkeiten weg, wie auch immer die IQ- Verteilung aussehen mag? Fallen die durch den Rost? Was machen wir mit denen?

  2. Sebastian

    Auch wenn nicht jeder einen hohen IQ haben kann, ist es trotzdem so, dass die Potentiale in Deutschland nicht ausgeschöpft werden. (siehe PISA)
    Es wird immer Arbeitsplätze geben, für die man nicht sudiert haben muss, es werden nur weniger.
    “An jedem hochqualifizierten Arbeitsplatz hängen auch weniger qualifizierte.” - Das ist doch ganz logisch. Diese Leute müssen auch zum Bäcker, Friseur etc.

  3. Margin

    Diese doch recht komplexe Problematik am mangelnden IQ festzumachen erscheint mir ein wenig zu einfach. Auch ist es ein leichtes, denen, denen es an einem Arbeitsplatz mangelt, pauschal h4-Sucht zu attestieren.

    So ist z.B. im grenznahen Bereich zu Dänemark ein reger Arbeitnehmer-Pendelverkehr zu beobachten: Deutsche H4-Empfänger aus den unterschiedlichsten Qualifikationsstufen, vom Fabrikationshelfer über die sozialpädagogische Assistentin bis hin zum Bauingenieur finden sichere Arbeitsplätze jenseits der Grenze. Zwei Fälle sind mir gar aus Norwegen bekannt, wo bereits konkrete Arbeitsverträge auf dem Tisch liegen, es scheitert einzig noch an der Hürde, der Trennung von der Familie oder mit ihr gemeinsam auswandern zu müssen.

    Die Berichte, die ich zu hören bekomme, sind überall die gleichen: Einmal davon abgesehen, dass sie alle nun endlich einen Arbeitsplatz haben, was in Deutschland - warum auch immer - nicht möglich war, sie bekommen nun auch sowohl in DK als auch in N einen höheren Nettolohn (auch im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten) als sie in D jemals erreicht hätten. Dabei haben sie in D von Arbeitgebern immer wieder gehört, sie wären “zu teuer” - Stichwort “Lohnnebenkosten”.

    Wir holen uns Fachkräfte aus dem Ausland und unsere Fachkräfte wandern aus. Da stinkt doch wohl etwas ganz gewaltig.

  4. Sebastian

    Danke für diesen interessanten Kommentar.
    So ist der Markt: Wer in Deutschland nicht gebraucht wird, kann woanders händeringend gesucht sein und umgekehrt.

  5. Karl

    Bernd, das ist m.E. die zentrale moralische Frage. In wieweit ist die Menschheit ein gesamtheitliches soziales Wesen in dem der Teil, der mehr IQ oder Praxisangepasstheit mitbekommen hat verpflichtet ist für die aufzukommen die weniger gut ausgestattet sind. Und ab wann kippt das um in die Ausbeutung der Fleissigen weil individueller Egoismus stärker wird als die soziale Verpflichtung. Wenn damit die Motivation der “Fleissigen” herabgesetzt wird schadet das dem Gesamtsystem. wenn das aber politisch systematisiert wird dann sinkt der Wirkungsgrad weiter durch ein kostenträchtiges Umverteilungssystem und die Kosten seiner Administratoren.

    Was schadet also dem Sytem Menschheit mehr:
    Wenn die “Fleissigen” Geld verdienen und die Macht erwerben darüber zu bestimmen oder wenn die “Faulen” versuchen es ihnen wegzunehmen?

    Das Kapital des Einzelnen ist nur seine begrenzte Lebenszeit, ein Irrtum in dieser Frage endet mit dem Tod. Die Menscheit existiert jedoch, jedenfalls die nächste Zeit, weiter.

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