Probleme bei der Hypothekenfinanzierung im Zusammenhang mit der Finanzkrise
Die Ereignisse der Finanzkrise haben dazu geführt, dass das Sicherheitsdenken der Banken um ein Vielfaches erhöht worden ist. Zu groß waren die Verluste, die einige Finanzinstitute durch Fehlspekulationen einstecken mussten. Eine Folge dieser riskanten Finanzgeschäfte waren zahlreiche Konkurse, andererseits fehlt dieses Vermögen auf dem Kreditmarkt. Eine der Folgen ist die Verknappung des Darlehensangebotes, das auch dadurch forciert wird, dass die Banken von den Regierungen dazu angehalten wurden, die Mittel, die als Darlehen herausgegeben werden können, vorrangig in die Industrie und das Handwerk zu geben. Damit sollen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise eingedämmt und dringend benötigte Arbeitsplätze erhalten werden.
Das bedeutet nicht, dass man als privater Kunde gar keine Kredite mehr bekäme. Jedoch muss man als Kreditinteressent eine deutlich höhere Bonität vorweisen als sonst. Auch die für eine Hypothekenfinanzierung (Baufinanzierung) geforderten Sicherheiten nehmen ein deutlich höheres Ausmaß als sonst an. Wer hier nicht zu den Interessenten gehört, die die Mindestanforderungen deutlich überschreiten, der setzt schnell bei den erhobenen Zinsen kräftig zu.
Ein weiteres Problem bei der Hypothekenfinanzierung zeigt sich in dem Zeitraum, über den die Bank bereit ist, sich an einen bestimmten Zinssatz zu binden. Während man noch Anfang des Jahres 2008 Hypothekendarlehen aufnehmen konnte, bei denen die Zinsbindungsfrist fünf oder gar zehn Jahre betrug, sind heute Verträge üblich, deren Zinsen lediglich für den Zeitraum eines Jahres festgeschrieben werden. Das ist für den Kunden ein ernstes Problem, denn es ist nicht so einfach, den Anbieter für ein Hypothekendarlehen zu wechseln. Dabei geht es nicht einmal darum, dass keine geeigneten Anbieter auf dem Markt zur Verfügung stehen würden, sondern das Problem entsteht daraus, dass die Absicherung von Immobiliendarlehen über die Eintragung eines Rechts im Grundbuch des betreffenden Grundstücks erfolgt. Diese Änderung des Grundbucheintrages ist immer mit Kosten verbunden und so lohnt es sich in den meisten Fällen nicht, für eine Zinsersparnis von einem halben oder einem Prozent den Darlehensgeber zu wechseln.
Völlig unbeeindruckt von den Folgen der Finanzkrise zeigen sich die Gesellschaften, die eine Hypothekenfinanzierung über die Beleihung von Bausparverträgen oder Versicherungen anbieten. Dort kann man nach wie vor recht günstige Konditionen erzielen. Auch lassen sich von vornherein die Zinsen für eine Hypothekenfinanzierung drücken, wenn man die Versicherung als Sicherheit und Tilgung für eine Termin- oder Fälligkeitshypothek einsetzt. Die Bank hat den Vorteil, dass der Kunde seine Liquidität schon durch jahrelange Zahlungen der Ansparbeiträge und Versicherungsprämien unter Beweis stellen konnte. Außerdem bietet die Absicherung mit einer Lebensversicherung der Bank den Vorteil, dass sie beim Ableben des Hypothekennehmers nicht auf die Bonität seiner Erben angewiesen ist, sondern sich auf Grund einer immer damit verbundenen Abtretungsvereinbarung die Versicherungssumme auf dem direkten Weg vereinnahmen kann.
Ein weiteres aus den Folgen der Finanzkrise resultierendes Problem bei der Hypothekenfinanzierung ist die Welle von Kündigungen, die durch große und mittelständige Unternehmen auf Grund fehlender Nachfrage oder nicht vorhandener finanzieller Reserven ausgesprochen werden mussten. Selbst wer schnell einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat, gehört noch nicht wieder zum Kreis der kreditwürdigen Kunden, weil der Gesetzgeber den Arbeitgebern das Recht verschafft hat, sehr lange Probezeiten zu vereinbaren, während der man kaum die Chance hat, an einen Kredit zu kommen, egal wofür man ihn gerade benötigt.
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am 1. Juli 2009 um 10:51 am Uhr.
Es stimmt zwar, dass sich Vergaberichtlinien von Immobilienkrediten seit der Finanzkrise stark verändert haben. Weiterhin ist auch richtig, dass Banken gute Bonitäten stärker belohnen und schlechtere Bonitäten entweder gar nicht, oder mit kräftigen Aufschlägen finanzieren. Aber die Aussage, dass Verträge mit einjähriger Zinsbindung mittlerweile üblich sind, kann ich ganz und gar nicht nachvollziehen.
am 22. Juli 2009 um 5:53 pm Uhr.
Guten Tag,
der Unmut über das Geschäftsgebaren der Finanzwelt hat nicht durch irrationale Verwirrung der Kundschaft zugenommen. Dass sich ausgerechnet mit der Beleihung von Bausparverträgen oder Versicherungen noch günstige Konditionen erzielen lassen, ist ein geradezu kafkaeskes Beispiel. Diese Entwicklung motiviert, alternative Möglichkeiten für Kreditsuchende und Anleger zu bieten - und das zuweilen auch kostenlos. Abzuwarten bleibt, ob die noch immer weit verbreiteten Bedenken nicht allein dadurch zu entkräften sind, dass verstanden wird: Unter Einzelperson ist Vertrauen herstellbar und auch kalkulierbar, denn hier gibt es keine Lockvogelangebote oder Produkte, die niemand mehr versteht.
Liebe Grüße
Corinna
am 24. Juli 2009 um 8:47 am Uhr.
Schön geschriebener Artikel. Gibt einen guten Einblick in die aktuelle Problematik von Finanzierungen, gerade für private Kreditnehmer nicht leicht nachzuvollziehen wie ich finde.
am 15. Oktober 2009 um 12:02 pm Uhr.
Danke für eine ausführliche und verständliche Problemschilderung. Gerade bei den Verbrauchern ist zurzeit eine große Verunsicherung zu beobachten. Es gibt allerdings auch positive Nachrichten, gerade weil Autoindustrie so stark von der Finanzkrise getroffen wurde, bekommen die Verbraucher die Gelegenheit beim Autokauf richtige Schnäppchen zu machen.
Gruß,
Vera