Zinserträge im freien Fall - was kann die EZB bewirken?
Bis zum September 2008 schien die Welt für viele Anleger und Unternehmer in Ordnung, dann kamen aus den USA die ersten Negativmeldungen der Immobilienbranche. Viele Institute vergaben Darlehen und Kredite, ohne die Bonität ihrer Kunden ausreichend zu prüfen. Die fälligen Raten konnten von zahlreichen Privatpersonen und Unternehmen nicht bedient werden, u.a. aufgrund steigender Zinsen. Etliche Banken blieben auf den Immobilien ihrer Kundschaft sitzen, das Vertrauen der Kreditinstitute brach untereinander ein. Soweit die Kurzform zur Entstehung der heutigen, globalen, Wirtschafts- und Finanzmarktkrise.
Seit gut einem halben Jahr bestimmen Meldungen über kriselnde Banken, sinkende Leitzinssätze, Auftragsschwäche und Personalabbau die Berichterstattungen in den Medien. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzinssatz zuletzt zum 11.03.2009 auf einen Rekordtief von 1,50 Prozent gesenkt, zur Erinnerung, im Oktober lag der Leitzins noch bei hohen 4,25 Prozent, ehe die EZB zum inzwischen fünften Mal in Folge an der Zinsschraube drehte. Die Höhe der Zinssätze für Finanzierungen, etwa in Form eines Kredites oder Darlehns, aber auch die Zinsen für Geldanlagen wie dem Festgeld oder Tagesgeld, richten sich maßgeblich nach der Höhe des Leitzinses. Fällt der Leitzins, fallen auch die Zinsen für Geldanlagen und Finanzierungen – eigentlich. Denn während die derzeitigen sinkenden Zinsen für Geldanlagen bei vielen Anlegern für blankes Entsetzen sorgen, halten sich die meisten Banken mit entsprechenden Zinssenkungen für Kredite sehr bedeckt.
„Die Banken kommen immer günstiger an Geld, aber geben den Zinsvorteil nicht an die Kunden weiter“, beklagte bereits Edda Castelló, Finanzexpertin der Verbrauchzentrale Hamburg. Stattdessen lohnen sich kurzfristige Geldanlage für viele Anleger immer weniger, ein trauriges Beispiel der SEB Bank: „satte“ 0,75 Prozent Zinsen bietet die Bank ihren Kunden für Guthaben auf dem Tagesgeldkonto, bis zu einer Einlage von maximal 20.000 Euro und garantiert bis zum 30.06.2009 – nach Ablauf der Zinsgarantie darf sich der Kunden an noch geringere Zinsen von 0,25 – 0,45 Prozent erfreuen. Das Beispiel der SEB Bank ist bewusst extrem gewählt, aber auch andere Direktbanken sehen sich immer mehr zum handeln gezwungen, nur selten gibt es bei Festgeld- oder Tagesgeldanlagen noch mehr als 3 oder 4 Prozent. Dank der globalen Entwicklung, von der auch Anleger profitieren, lassen sich auch Angebote aus dem Ausland wahrnehmen. Besonders die Niederlande haben bei vielen Verbrauchern das Interesse geweckt, Angebote der NIBC Direct oder das inzwischen recht bekannte Credit Europe Festgeldkonto bieten noch immer zwischen 4 und mehr als 5 Prozent Zinsen für Tages- oder Festgeldanlagen. So schön sich diese Angebote allerdings lesen, das Kleingedruckte sollte bei ausländischen Anlageformen ebenso beachten werden wie bei der Hausbank – besonders die beschränkte Einlagensicherung von lediglich 100.000 Euro, schreckt viele Sparer von einem Investment im Ausland ab.
Bleibt die Frage, ob und wie die Europäische Zentralbank weiterhin handeln sollte. Ein „Heilsbringer“ ist die EZB ebenso wenig, wie das Instrument der Leitzinssenkungen eine echte „Geheimwaffe“ darstellt. Ob weitere Leitzinssenkungen jedoch sinnvoll sind, wo sich die aktuellen Anpassungen beim Verbraucher lediglich in Form von immer geringen Zinserträgen bemerkbar machen, ist mehr als fraglich. Was fehlt, ist das Vertrauen der Banken untereinander, dies kann die EZB nur geringfügig wiederherstellen. Die Politik greift klammen Banken bereits finanziell unter die Arme, die erhofften Erfolge lassen sich in den nächsten Monaten feststellen – so hart es auch klingt, mehr als Abwarten und den Markt genau zu beobachten, bleibt für viele Verbraucher derzeit leider nicht übrig.
Andere Beiträge:
- Banken - Profiteure der Zinssenkungen
Nach den drastischen Zinssenkungen Anfang 2009 durch die Europäische Zentralbank... - Probleme bei der Hypothekenfinanzierung im Zusammenhang mit der Finanzkrise
Die Ereignisse der Finanzkrise haben dazu geführt, dass das Sicherheitsdenken... - Internetwirtschaft wächst trotz globaler Wirtschaftskrise
Täglich versorgen uns die Medien mit neuen Hiobsbotschaften: Die HSH... - Argentiniens Schuldendienst und seine Folgen
In der FTD findet sich heute ein Artikel, der sich... - Die Globalisierung der Finanzmärkte
Die Globalisierung der Finanzmärkte wird zurzeit wieder deutlich. Die Mittelstandsbank...
am 12. April 2009 um 11:14 pm Uhr.
Die Tagesgeldzinsen sind momentan wirklich auf einem unsagbar niedrigen Niveau, da lohnt sich das anlegen nicht wirklich. Aber leider gibt es auch nicht viele Alternativen, vielleicht sollte man das Geld einfach ausgeben?
am 5. Mai 2009 um 3:41 pm Uhr.
Das die Tagesgeldzinsen sinken war klar. Kommt eben immer später der Beginn der Krise.
am 22. Mai 2009 um 2:38 pm Uhr.
Naja, so unsagbar niedrig sind sie noch nicht. Es gibt immer noch zahlreiche Banke die Zinsen um die vier Prozent anbieten. Und das ist für ein Tagesgeldkonto doch ganz annehmbar. Natürlich kann sich das in nächster Zeit noch ändern - das ist halt das “Risiko” bei dieser Form von Geldanlage.
am 17. Dezember 2009 um 6:53 pm Uhr.
Und wo stehen wir jetzt? Als vor knapp sieben Monaten Christian über Anbieter von vier Prozent schrieb hat wohl noch keienr geahnt, dass die Zinssätze nun unter drei Prozent liegen. Einziger Vorteil: Die DAB Bank ist jetzt die erste Bank, die die Zinsen wieder angehoben hat. Hoffentlich setzt sich der Trend auch auf die anderen Anbieter um und es geht wieder aufwärts mit den Zinsen. Und dann zieht hoffentlich auch die EZB mit und erhöht den Leitzins wieder.