Internetwirtschaft wächst trotz globaler Wirtschaftskrise

Täglich versorgen uns die Medien mit neuen Hiobsbotschaften: Die HSH Nordbank steht kurz vor der Pleite, bei VW ruht die Produktion, die Zukunft von Opel im General Motors- Geflecht ist mehr als ungewiss. Hunderte kleine und mittelständische Zulieferer sehen sich auf Grund ihrer relativen Abhängigkeit in ihrer Existenz bedroht, denn Absatz- Alternativen schwinden in einer globalen Krise, die ganze Branchen in die Tiefe reißt.

Trotz, oder vielleicht gerade wegen der beklemmenden Lage verzeichnet die Internetwirtschaft Zuwächse. Experten sehen vor allem den Spardrang vieler Verbraucher als treibende Kraft für den florierenden E-Commerce. Das Internet bietet Händlern und Dienstleistern einen überaus ökonomischen Vertriebsweg und den Kunden im Vergleich zur Realwirtschaft oft attraktivere Preise bei steigendem Service, die zudem bequemer verglichen werden können.
Aktuelle Zahlen von Shopping- Portalen untermauern den Trend: Das deutsche Portal „Yatego“ verzeichnet nach eigenen Angaben seit seiner Gründung im Jahre 2003 einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 67 Prozent. War das Jahr 2008 bislang für „Yatego“ das erfolgreichste, könnte das Geschäftsjahr 2009 neue Rekorde erzielen. Im Januar 2009 gab es mehr Anmeldungen von Shop- Betreibern als je zuvor zu einem Jahresbeginn. Gegenwärtig nutzen rund 300.000 Verbraucher täglich die Such- und Vergleichs- Funktionen, um in über 7000 Online Shops aus 2.700.000 Artikeln das Produkt ihrer Wahl zu finden.

Ähnlich erfreut gibt man sich beim französischen Internet- Startup „Twenga“ Die kürzlich veröffentlichte Bilanz der Produktsuchmaschine weist für 2008 einen Jahresumsatz von 3.200.000 Euro aus. Dies entspricht einem Zuwachs von 500 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Konzept von „Twenga“ setzt auf absolute Neutralität sowie innovative Technologien. Der permanent wachsende Besucher- Zulauf aus weltweit zwölf Ländern macht „Twenga“ unbestritten zum einem der Globalisierungsgewinner.

Die im März 2007 ins Leben gerufene deutsche Kredit- Vermittlungsplattform „Smava“ profitiert ebenfalls von der wirtschaftlichen Krise, vor allem von der Banken- Misere. Auf „Smava“ finden sich Kreditsuchende und private Investoren zur Finanzierung von Projekten bis 25.000 Euro zusammen. Die Zinsen werden zwischen den Parteien ausgehandelt. Privatpersonen, kleine Gewerbetreibende und Freiberufler haben im Moment oft Schwierigkeiten, bei ihrer Bank einen Kredit zu bekommen. Diese Kredite sind jedoch notwendig, um beispielsweise neue Aufträge Vorfinanzieren zu können. Über „Smava“ stehen die Chancen für den Erhalt eines Darlehens bei entsprechenden Sicherheiten sehr gut und die Geldgeber erhalten durch den „peer-to-peer Deal lukrative Renditen bei niedrigen Ausfallquoten: In der schlechtesten Bonitätsstufe wurden 95,4 Prozent aller Kredite vereinbarungsgemäß zurückgezahlt, in der besten Bonitätsstufe 97 Prozent, weiß „Stuttgarter Nachrichten Online“. „Smava“ vermittelte seit März 2007 Darlehen in Höhe von über 7 Mio. Euro.

Maßgeblichen Anteil am fortwährenden Erfolg des E-Business trägt auch die immer noch steigende Verfügbarkeit von leistungsfähigen Breitband- Anschlüssen, resultierend aus vielen Investitionen der Provider in ihre Netze. Auch wenn diese teils regional auf politischen Druck hin und durch Subventionen erfolgten. Der Breitband- Markt selbst konsolidierte in 2007 wegen des extrem hohen Wettbewerbs zwar, aber die Nachfrage nach DSL, Breitband via Kabel sowie auch UMTS oder WIMAX ist ungebrochen. Ein weiterer Zukunftsmarkt der Kabel und DSL Anbieter befindet sich bereits im Aufwind: Die deutsche Telekom konnte mit ihrem Produkt „T-Home Entertain“ im vergangenen Jahr knapp über 500.000 Internet- TV Abo- Kunden gewinnen. In 2009 will der Kommunikationsriese über eine Millionen Kunden für die relativ neue IPTV Technologie begeistern. Auch andere namhafte Provider wie Alice oder Arcor brachten vergleichbare Produkte auf den Markt.

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10 Kommentare zu “Internetwirtschaft wächst trotz globaler Wirtschaftskrise”

  1. Steve

    Also ich denke auch, dass es in jeder Krise immer Gewinner gibt, in dieser sind es eben die Internetdienstleistungen. Wobei bei Smava, ich weiß nicht, ob ich als Anleger da wirklich Geld investieren würde, das wäre mir dann doch irgendwie zu unsicher. Aber insgesamt wird das Web auch künftig noch weiter auf dem Vormarsch sein, hier ist das Ende der Fahnenstange meiner Meinung nach noch lange nicht erreicht.

  2. Gernot

    Warum nicht bei Smava? Ist immerhin gut bei Stiftung Warentest weggekommen und soweit ich weiß, sind die Kredit- Geber zur Streuung des Risikos in Pools organisiert. Wo kriegt man denn schon 12 Prozent Rendite….

  3. Jan

    Bei VW ruht sogar die Produktion?? Das ist allerdings sehr bedenklich. Ich habe zwar davon gehört, dass Zulieferer immer größeren Schwierigkeiten ausgesetzt sind, bezog das allerdings nicht auf die Produzenten selbst. Das ist schon erstaunlich. Meint ihr, die Preise für Neuwagen werden noch weiter sinken…?

  4. Schnicki

    ruht natürlich nicht komplett, aber für einige Tage standen die Bänder still und Kurzarbeit ist bei VW angesagt. Guckst du auch Hier

  5. Schnicki

    Zumindest vorrübergehend standen die Bänder still. Guckst du auch hier: http://www.zeit.de/news/artikel/2009/02/22/2736438.xml

  6. Daniel

    Ich glaube, dass die Krise an sich gar nicht mal so schlimm gewesen wäre, wenn man die Leute nicht immer und immer wieder angestachelt hätte. Denn die Leute bekommen das doch oft gar nicht mit. Sie leben ihr leben weiter und somit kaufen sie auch ein. Jetzt hamstert jeder weil jeder Angst hat um die eigene Existenz und genau das ist verkehrt. Wir müssen wieder Geld in die Wirtschaft bringen. Und das Internet ist nun mal im Moment eines der wenigen Gebiete bei denen die Leute noch Geld ausgeben.

  7. karsten

    Diese ganzen Hiobsbotschaften sind natürlich genau das, was man im Moment nicht braucht. Es ist schon schlimm genug, wie schon geschildert, daß die Banken sich untereinander nicht mehr trauen und den Geldhahn zudrehen. Die, die sich jetzt vollkommen zurückziehen, werden meines Erachtens zu den Verlierern gehören.

  8. bello

    ich freue mich wirklich für alle kleine menschen die im intzernet jeden tag kämpfen und versuchen ihren bestens zu geben. gerade in krisezeiten muss man sich neuerfinden und die, die im internet selbständig sind, haben jetzt die chance

  9. Marcus

    Also ich denke auch, dass es gut ist, dass zumindest eine Branche gewinnt. Und dass nicht nur die Zulieferer betroffen sind, ist ja eigentlich logisch. Die meisten Autohersteller produzieren Just in Time, bestellen also nur dann nichts mehr, wenn sie selbst nichts mehr zu tun haben. Dennoch sollte man mal wieder einen Blick nach vorn werfen und erste Befragungen zeigen mittlerweile, dass die Angst nicht noch stärker wird. Sie ist zumindest schon einmal gestoppt und ich hoffe mal, dass sie irgendwann wieder in positive Erwartungen umgewandelt wird. Wenn auch erst einmal in kleinem Maße.

  10. Rui

    Die Frage ist wie lange noch. Denn vor allem die Shops werden ja auch darunter leiden. Die Leute kaufen weniger und darum wird auch weniger Umsatz gemacht. Also kann es eigentlich nicht mehr lange dauern, bis wir auch hier merken werden, dass die Krise angekommen ist. Ich hoffe es zwar nicht, denn man möchte ja weiter leben wie bisher aber ich glaube, dass es durchaus der Fall sein wird. Wenn die Krise endlich vorbei ist, dann wird es hoffentlich schnell wieder bergauf gehen, denn das bräuchten wir.

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